Kommentar

Gefühlte Wahrheit

Fake News

Seit 2017 ist er im Duden zu finden, doch spätestens seit Donald Trumps erster Pressekonferenz als designierter US-Präsident ist der Begriff Fake News in aller Munde. Auch wenn Trump selbst als unerschöpfliche Quelle von Unwahrheiten gilt und seine Twitter-Follower mit stetiger Regelmäßigkeit mit „alternativen Fakten“ versorgt, hat er in einer Sache recht: Die Verbreitung von Fake News ist ein großes Problem der heutigen Zeit.

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Die Kraft der zwei Zöpfe

Die Kraft der zwei Zöpfe

Abstehende Zöpfe, Sommersprossen, freches Lachen und selbstbewusstes Auftreten: in den 70ern hatte die Buch- und Leinwandheldin Pippi Langstrumpf Vorbildcharakter für die Heranwachsenden weltweit. Sie brachte einen Hauch von Freiheit und Anarchie in die Kinderzimmer, weil sie sich Erwachsenen stoisch-entschlossen entgegenstellte und tagein tagaus tun und lassen konnte, was sie wollte. Fünfzig Jahre später taucht wie aus dem nichts eine weitere Schwedin auf, die innerhalb kürzester Zeit zum internationalen Superstar wird. 

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Scheitern vorprogrammiert?

Murphys law

Die Welt ist voller Gesetze. Die einen beschreiben die Regelmäßigkeit von Vorgängen in der Natur, die nächsten regeln als Rechtsnormen das menschliche Verhalten, die anderen wiederum geben religiösen Menschen die Lebensordnung vor. Doch keines der Prinzipien dürfte auf so viel Zustimmung stoßen, wie das Gesetz des Scheiterns vom US-amerikanischen Luftfahrtingenieur Edward A. Murphy. Die bekannteste Kurzform seiner Eingebung lautet: „Was schief gehen kann, wird auch schief gehen.“ 

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Abschied zur rechten Zeit

Abschied zur rechten Zeit

Sich auf dem Höhepunkt einer Karriere zurückzuziehen, als Dominator in die Geschichtsbücher einzugehen und als lebende Legende für Inspiration des Nachwuchses zu sorgen – all das sind Weisheiten, an denen schon viele Berufsathleten gescheitert sind. Denn die Realität ist oft geprägt von alternden Sportlern, die sich an Erfolge der Vergangenheit klammern, dabei jedoch nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Auf der Jagd nach dem letzten großen Paukenschlag werden sie nicht von ihren Gegnern, sondern vom eigenen Körper besiegt.

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Bots erobern den Schreibtisch

Bots erobern den Schreibtisch

Achtung: dieser Artikel und alle anderen auf unserer Webseite wurden von einem Menschen geschrieben. Das merken Sie spätestens dann, wenn Sie auf die ersten Rechtschreibfehler in den Fließtexten stoßen, die natürlich bewusst platziert wurden, um genau das zu bezeugen. Hier hat sich also tatsächlich ein Redakteur am PC abgemüht. Klingt selbstverständlich, ist es seit einigen Jahren aber nicht mehr. Denn: Überall auf der Welt sind inzwischen vollautomatisierte Textgenerierungssysteme im Einsatz. Algorithmischer Journalismus ist heute der letzte Schrei in der Branche.

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Zeit für Inspiration

Zeit für Inspiration

Was würde ein technisch versierter Mensch wohl tun, wenn er nach 30 Jahren aus dem Koma erwacht? Wieder bei klarem Verstand, würde er über den Fortschritt rundum wohl nicht mehr aus dem Staunen kommen: Moderne IT in den Büros, Roboter und vollautomatisierte Bearbeitungszentren in den Fabriken, Smart Home statt Eiche rustikal, E-Commerce anstelle von Tante-Emma-Läden und eine Welt, die vom Geist der Digitalisierung durchtränkt ist. Dann besucht er eine Baustelle und fühlt sich zurückversetzt in die „guten alten Zeiten“. Zumindest auf den ersten Blick ist wenig Neues erkennbar: Bewährte Technik im neuen Kleid, Baupläne auf DIN A3 und Zettelwirtschaft im Baubüro.

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Nachhaltig unnachhaltig

Nachhaltig unnachhaltig

Ich mag diese erfrischenden Unterhaltungen im Zug. Mit wildfremden Menschen, die einen freundlich aus dem Halbschlaf smalltalken. Die Krönung der Glückseligkeit ist erreicht, wenn eine oberflächliche Plauderei in einen Dialog mit schweren Themen mündet, die vollste Konzentration erfordern. Ein Thema wie Nachhaltigkeit zum Beispiel. Darüber wollte meine Sitznachbarin mehr wissen, nachdem sie erfuhr, dass ich mich auf dem Rückweg von der Messe BAU in München befand. Sie konnte nicht wissen, dass mir jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken läuft, sobald ich diesen Begriff zu hören bekomme. I

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Mythos Fachkräftemangel?

Mythos Fachkräftemangel

Da ist es wieder: Eine wichtige Branchenveranstaltung macht sich den Fachkräftemangel zum Schwerpunktthema. Eine Podiumsdiskussion soll das Problem aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und Lösungswege aufzeigen. Zu laut scheinen die Alarmglocken inzwischen zu läuten, zu verzweifelt die Lage auf dem Markt zu sein: Einer aktuellen Umfrage der IHK nach würden 79 % der Unternehmen des Baugewerbes den Fachkräftemangel als größtes Risiko einstufen. Seit Jahren schon scheiden sich an diesem Thema die Geister. Aber wie groß sind die Probleme wirklich? 

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Kommt jetzt der Knall?

Kommt jetzt der Knall?

Seit beinah einer Dekade haben Verkaufsmakler, Finanzvermittler und Banken wieder gut lachen: die Investition in „Betongold“ ist dank der Nullzinspolitik der EZB heute so attraktiv wie selten zuvor. Die Zinsen für Immobilienkredite befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau und sorgen damit für einen blühenden Handel. Aber es gibt einen Hacken: mit dem Anstieg der Nachfrage sind auch die Kaufpreise massiv in die Höhe geschnellt. Eine Entwicklung, die sowohl den Kreditinstituten als auch den frischgebackener Eigenheimbesitzern die Feierstimmung ordentlich verderben kann.

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Ewiges Pauken

Lebenslanges Lernen

Mehr als 100 Semester hatte ein Medizinstudent der Uni Kiel auf dem Buckel, als er seine Vorprüfung bestand. Der heute fast 80-jährige hatte sich 1957 an der Uni eingeschrieben, im gleichen Jahr schossen die Sowjets mit dem Sputnik den ersten Satelliten ins All und eröffneten damit das Zeitalter der Raumfahrt. Dieser Uni-Rekord ist sicher ein Fall für das Kuriositätenkabinett, trotzdem gehört lebenslanges Lernen – richtig interpretiert – heute dazu, um als Gesellschaft, Unternehmen oder Individuum wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Etikettenschwindel?

Etikettenschwindel

Wer den letzten Schlagabtausch zwischen Horst Seehofer und Angela Merkel mitverfolgt hat, weiß, wie stark wahlkampfgetrieben Brachial-Rhetorik und politische Entscheidungen sein können. Dabei geht es bei diesem Titanengefecht gar nicht um Ausländer. Es geht um die Gutmensch-Politik der Kanzlerin, welche die bayerische Schwesterpartei Wählerstimmen kostet. Nach dem miserablen Ergebnis bei den Bundestagswahlen müssen die Christsozialen in ihrer traditionellen Hochburg Niederbayern unbedingt wieder punkten, damit die absolute Mehrheit bei den kommenden Landtagswahlen in Bayern verteidigt werden kann. Dafür ist jedes Mittel recht und dafür hat sich der ewige Querulant Horst Seehofer mit einem „Masterplan Migration“ bewaffnet, der Humanität und Ordnung in Einklang bringen soll. Der Asylstreit als Wahlkampf-Show der CSU – ein ganz großes Kino „Made in Bayern“.

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Meinungsmache

Meinungsmache

Vor Kurzem hat mir mein neunjähriger Sohn seinen Berufswunsch offenbart: Astronaut möchte er werden, so wie wohl viele Heranwachsende vor ihm. Dafür will er gut in der Schule sein und wäre sogar bereit, sich nach und nach von seinen Kuscheltieren zu trennen. Schließlich geht es auch darum, beim langen Trip zum Mond unnötiges Gewicht einzusparen. Astronaut also – ein Klassiker unter den Traumberufen, dachte ich mir und wurde schnell eines besseren belehrt. Denn fragt man ältere Jungen und Mädchen, was sie nach der Schule werden möchten, dann taucht plötzlich ein ganz neuer Berufszweig auf: Influencer sind die neuen Superstars unserer Zeit.

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Rosinenpickerei

Rosinenpickerei

Mensch, waren das düstere Zeiten! Schon wenige Jahre nach den Freudentänzen auf der Mauer begann im wiedervereinigten Deutschland eine Baurezession, die ein ganzes Jahrzehnt andauern sollte. Die lange Talfahrt der Branche hat Opfer gefordert: mit Konzernen wie Philipp Holzmann oder Walter Bau gingen bedeutende Schwergewichte komplett unter. Weitere Bauriesen wie Hochtief sind dank laxem Schutz vor Übernahmen heute mehrheitlich in ausländischen Händen. 

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Dicke Luft

Diesel Fahrverbote

Wer hätte es vermutet, dass die VW-Abgasaffäre eine weitreichende Krise in der Automobilindustrie auslöst? Damals dachte man: Pech für VW und die Bestrebungen, einen Markt für den Selbstzünder zu begeistern, in dem der Anteil der Diesel-Pkws bei etwas über einem Prozent liegt. Eine kurzlebige Schlagzeile – nicht mehr und nicht weniger. Doch der Trubel rund um die Abgasmanipulationen führte in den Monaten danach dazu, dass das Problem der überhöhten Stickoxidwerte immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Heute ist die Technologie, die seit 125 Jahren mit einem gegenüber anderen Verbrennungsantrieben besseren Wirkungsgrad und geringerem Verbrauch punktet, in Verruf geraten.

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Gefährliche Abhängigkeit

Gefährliche Abhängigkeit

Wird man beim Smalltalk mit osteuropäischen Journalisten nach dem Wohnort gefragt, dann darf man sich als Beinahe-Stuttgarter fast schon zum Staraufgebot der Veranstaltung zählen. Es folgen freundliches Schultergeklopfe und Diskussionen darüber, wieso man in der Lada-Stadt Togliatti so wenig von Formschönheit und Qualität der Autos versteht. Sicher – die deutsche Autoindustrie ist unser ganzer Stolz und die Schlüsselbranche des Landes. Und damit auch ein Fall für die höchste Ebene: Bis auf die Grünen, die mit abenteuerlichen Aussagen über die zügige Abschaffung des Verbrennungsmotors die Autobosse ärgern,  hat das Wohlergehen der Automobilbranche für die große Politik traditionell einen hohen Stellenwert.

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Der Preis ist heiß

Preis ist heiß

Wieder ist es soweit, es naht die schöne Weihnachtszeit: Das Fest der Liebe und der unausweichlichen Kontoplünderungen im Dienste der Familienharmonie. Auf Marktplätzen, in Einkaufszentren und selbst beim Chinesen um die Ecke stehen gigantische Weihnachtsbäume, geschmückt mit Kitschkugeln in sämlichen RAL-Farben. Der Geruch von Zimt und billigem Glühwein liegt über der Stadt, während in heimischen Gärten beleuchtete Plastik-Weihnachtsmänner samt Dienstfahrzeug für festliche Stimmung und saftige Stromrechnungen sorgen. Angesichts des eskalierenden finanziellen Fiaskos neigt der Familienvater dazu, die eine oder andere preisoptimierte Geschenkalternative unter die Nordmanntanne zu legen. Weil er weiß – sein Finanzberater hält nichts von der Nächstenliebe.

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Zeit fürs Wesentliche

Das Sprichwort „Zeit ist Geld“, das kein Geringerer als Benjamin Franklin in die Welt setzte, klingt nach fast drei Jahrhunderten inflationären Gebrauchs – vom Marktschreier bis zum Hedgefonds-Manager – recht abgelutscht. Und doch passt dieser Ausdruck exakt in die moderne Welt der westlichen Hemisphäre, wo sich monochron geprägte Kulturen wie Deutschland unentwegt um den letzten Prozentpunkt an Effizienzgewinn bemühen. Im hektischen und digitalisierten Alltag wird die Zeit zum wertvollsten Gut, das sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext sinnvoll eingesetzt werden will. 

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Hasta la vista, baby

Hasta la vista

Ich gebe es ehrlich zu: ich mag diese Art von Filmen, in denen Aliens wie aus dem Nichts auftauchen und die menschliche Spontanität und Problemlösungskompetenz auf die Probe stellen. Oder aber die Blockbuster à la „Terminator“, wo eine künstliche Intelligenz namens Skynet ein Bewusstsein entwickelt und zu einer echten Bedrohung für die Menschen wird. Ich spüre jetzt schon das Entsetzen meiner kreativen Wegbegleiter über meine geschmackliche Entgleisung, aber die beliebten Apokalypsen der Filmgeschichte bringen neben dem simplen Unterhaltungsaspekt auch konkrete Beschreibungen optionaler Zukünfte. Und das ist etwas, womit man sich auch intellektuell durchaus auseinandersetzen kann.

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Risiko Arbeitsplatz

Risiko Arbeitsplatz

Eine kleine Gedenktafel am Straßenrand erinnert heute an das Unglück von Rana Plaza, bei dem in Bangladesch im April 2013 ein neunstöckiges Fabrikgebäude zusammenbrach, über 1.100 Menschenleben unter sich begrub und über 2.000 Verletzte forderte. Ein viel zu hoher Preis für Billigklamotten. Diese Tragödie steht symptomatisch für die desolaten Arbeitsbedingungen in der Textilbranche, wo das Machtgefälle so stark ist, wie wohl in keiner anderen Branche der Welt. Vielen Verbrauchern hat der Medienrummel um dieses Unglück erst deutlich gemacht, dass ein 5-Euro-T-Shirt neben dem glücklichen Schnäppchenjäger und dem milliardenschweren Textilriesen auch den einen oder anderen Verlierer hervorbringt. 

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Kollegen aus Stahl

Kollegen aus Stahl

Etwas unheimlich ist es schon: Die Geräuschkulisse einer Werkhalle zeugt von Energie und Tatkraft und doch kann vom typischen, emsigen Treiben eines Produktionsbetriebes nicht die Rede sein. Es fehlen die Hauptakteure – Arbeiter, die durch ihre Erfahrung, Geschick und Muskelkraft seit jeher für die Wertschöpfung im Herstellprozess zuständig sind. Stattdessen wird die Halle von scheinbar herrenlosen Maschinen bevölkert: Autonome Stapler und Schweißroboter bewegen sich wie von Geisterhand, Werkzeugmaschinen und riesige Bearbeitungszentren formen eigenständig matte Rohlinge zu glänzenden Werkstücken um. 

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Das wachsame Auge

Bahnhöfe, Flughäfen, öffentliche Gebäude – überall sind heute Kameras zu finden. Die Vorteile der Videoüberwachung sind auf den ersten Blick offensichtlich: so können gefährliche Orte mit relativ wenig Personaleinsatz kontrolliert werden. Die Exekutive setzt dabei auf Prävention und hofft, dass mögliche Rechtsverstöße unter dem wachen Auge der Gesetzeshüter gar nicht erst vollzogen werden. Rund 8.000 Kameras, die in Deutschland in der Hand der Bundespolizei sind, sollen potenzielle Täter abschrecken und dazu beisteuern, ihre Überführung zu erleichtern. Soviel zur Theorie. In der Praxis ist der Nutzen der Überwachung durchaus fraglich. 

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Im Takt der Zeit

Im Takt der Zeit

Wer kennt nicht dieses Gefühl von der Zeit, die mit jedem Lebensjahr immer schneller zu vergehen scheint? Aus Kindern werden Jugendliche und spätestens im Erwachsenenalter, mit den ersten Alterserscheinungen kommt die ernüchternde Erkenntnis, dass unser Lebensweg keine Endlosschleife ist. Diese Vergänglichkeit der Zeit treibt die Menschheit an, diverse physikalisch-mathematische Tatsachen kritisch zu hinterfragen. Seit Einsteins Relativitätstheorie und des damit zusammenhängenden Zeitdehnungseffekts sind wir verknallt in die Idee, die Uhr des Lebens zurückdrehen zu können. 

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Total digital

Total digital

Die Digitalisierung hat uns fest im Griff. Wie wir einkaufen, unsere Freizeit gestalten, mit Menschen kommunizieren oder auf dem Laufenden bleiben – all das wird schon seit Jahren von Bits und Bytes geprägt. Die Geschwindigkeit unseres Alltags hat sich seit dem Siegeszug des Internets und der Entwicklung der sozialen Netzwerke vervielfacht. Nun weicht die anfängliche Neugier hier und da dem Wunsch, sich von der digitalen Umklammerung zu lösen und die weiße Fahne zu schwingen. Sogar Facebook-Fetischisten der ersten Stunde sehnen sich nach dreizehn Jahren wilder Gefällt-mir-Drückerei zurück ins Tal der Ahnungslosen, um Pseudo-Freunden und der virtuellen Realität zu entgehen. 

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Die schwarzen Schafe

Die schwarzen Schafe

Nur Bares ist Wahres. Dieser Spruch riecht in unserer digitalen Bezahlwelt leicht nach Schimmel und doch hängt ein großer Teil der Deutschen an Schein und Münze. Mindestens acht Millionen müssen es sein, denn das ist die Anzahl derer, die schwarz arbeiten. Es handelt sich um schmutziges Geld – nicht nur deswegen, weil eine europäische Banknote in puncto Bakterienvielfalt sogar einer Petrischale locker Konkurrenz machen könnte. Schwarzarbeit schädigt unser Sozialsystem, vernichtet Arbeitsplätze und untergräbt die Wirtschaftsordnung und ist daher alles andere als ein Bagatelldelikt.

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Die Flucht nach vorn

Die Flucht nach vorn

Was treibt einen Menschen dazu, in ein überfülltes Schlauchboot zu steigen, um sich von einem hauptberuflichen Ziegenhirten und nautischen Laien über das offene Meer nach Europa navigieren zu lassen? Die Motivation ist aus der Perspektive eines wohlstandsverwöhnten Europäers wahrlich schwer zu begreifen, während Hunderttausende Flüchtlinge sich den Gefahren eines Exodus aussetzen, um das gelobte Land zu erreichen. Ist es die Rolex am Handgelenk, für die ein syrischer Vater sein Leben und das seiner ganzen Familien auf Spiel setzt oder womöglich die Aussicht auf die Nobelkarosse vor der eigenen Stadtvilla? Gut möglich. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass seine Gedanken den Zustand der Bodenständigkeit zu keinem Zeitpunkt verlassen, während rundum die Bomben fallen. Realistisch ist, dass er im täglichen Kampf ums nackte Überleben die Existenzbedürfnisse seiner Nächsten sicher will. Selbstredend ist, dass der alte Kontinent den sichersten Hafen dafür bietet.

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Scotty, Energie!

Scotty, Energie!

So lautete das Kommando des auch außerhalb der Fangemeinde bekannten Captain Kirk, der mit seinem Raumschiff über Jahre Fleiß, Ausdauer und Kampfgeist bewies, um fremde Galaxien, neues Leben und neue Zivilisationen zu erforschen. Der leitende Ingenieur Scotty betätigte daraufhin die Regler am Pult und die USS Enterprise beschleunigte einen Lidschlag später auf komfortable Reise-Lichtgeschwindigkeit. Und stand einmal ein Dinner mit den chronisch missmutigen Klingonen auf dem Tagesplan, dann ging das ohne große logistische Verrenkungen. Scotty bemühte den Transporter und beamte die stolzen Krieger im Nullkommanichts auf das Schiff.

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Rebellion der Alten

Rebellion der Alten

Ganz nach dem Motto „Nach uns die Sintflut“ hat sich die Mehrheit der älteren Generation Großbritanniens gegen den Verbleib des Landes in der EU entschieden. 61 % der über 65-jährigen Briten haben für den Austritt gestimmt, wohingegen 75 % der 18- bis 24-jährigen für den Verbleib votierten. Ein Sieg der Emotion über die Vernunft, der Vergangenheit über die Zukunft. Viele junge Briten fühlen sich ihrer Chancen in einer immer globalisierteren Welt beraubt. Nun müssen sie mit den langfristigen Folgen des Brexit leben, während ihre Großeltern sich im Herbst ihres Lebens voll und ganz der Teekultur widmen können.

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Die Macht der Gruppe

Gruppenzwang

Sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten, ist unser aller Wunsch. Doch die eigene Erfahrung zeigt, dass Selbstbestimmung ohne Einwirkungen von außen so gut wie unmöglich ist. Unsere individuellen Entscheidungen werden von der Gesellschaft beeinflusst; wir sind und werden von unserer Umwelt geprägt – und das von Kindesalter an. Schon in der Schule begeben wir uns auf die Suche nach einer Gruppe, der wir uns zugehörig fühlen. Der Veränderungsprozess kann zügig einsetzen: Ob bei den Strebern, den Coolen, den Sportskanonen oder den Modefreaks – für den Halt der Gruppe gibt man einen Teil der eigenen Persönlichkeit auf und fängt an, sich  der Mehrheit zu beugen. 

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Auf der Jagd nach dem Optimum

Es ist wieder soweit: Die weltgrößte Messe Bauma nähert sich mit großen Schritten ihrem Eröffnungstermin. Monate und Jahre akribischer Vorbereitung der Firmenlenker, Vertriebsleiter, Produktmanager und Ingenieure kuliminiert an den Ständen der Hallen und an den Freiflächen. Jetzt nur noch die Maschinen richtig positionieren, auf Hochglanz bringen, die Firmenkrawatten zurechtrücken, ein verkaufsförderndes Lächeln aufsetzen und darauf hoffen, dass möglichst viele der erwarteten 550.000 Messebesucher in Staunen versetzt werden können. In Verkaufsgesprächen werden neue Produkte angepriesen, die ihre wenige Jahre alten Vorgänger – nicht selten die unangefochtenen Stars der letzten Bauma – in den Schatten stellen. 

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Das schwarze Gold verliert den Glanz

Ölpreis

Beim Erdöl läuft es seit langem nicht mehr wie geschmiert. Sein Preis ist seit dem Sommer im freien Fall und verharrt inzwischen auf historischem Tiefstand. Mt 35 Dollar pro Barell ist das Öl der Nordseesorte Brent heute so billig wie seit 12 Jahren nicht mehr. Mit umgerechnet 22 Cent pro Liter ist das einstige schwarze Gold günstiger als eine Flasche Wasser beim Discounter. Nun stellt sich die Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass der Preis des wohl wichtigsten Rohstoffs der Industrienationen derart an Boden verliert, wo es doch immer hieß, seine Vorkommen seien begrenzt und sein Zeitalter neige sich dem Ende zu? Ist der aktuelle Ramschpreis ernsthaft die realistische Bewertung eines angeblich knappen Guts?

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Ein guter Plan spart Kraft

Man staunt nicht schlecht, wenn man zum ersten Mal vor der ägyptischen Cheops-Pyramide steht. Es scheint unglaublich, dass dieses etwa 4.600 Jahre alte Bauwerk von Menschenhand errichtet wurde. Die Perfektion ist atemberaubend: Die Pyramide ist genau auf die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, die Seitenlängen sind bis auf wenige Millimeter übereinstimmend. Auch die Logistik rund um das Bauprojekt fasziniert. Mehrere Tausend Arbeiter waren zeitgleich und über 20 Jahre lang auf der Baustelle beschäftigt. Sie transportierten die tonnenschweren Steine vom Hafen, brachten sie in Form und später in die endgültige Position im Bauwerk.

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Nicht ganz sauber

Abgasskandal

Mann, Mann, Mann – da hat sich Volkswagen mit den geschönten Abgastests ein dickes faules Ei ins Nest gelegt. Groß war der Aufschrei als die amerikanische Umweltbehörde EPA vor zwei Monaten herausfand, dass der Autobauer bei seinen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware einsetzte. Nach dem darauffolgenden medialen Beben und einer Talfahrt der VW-Aktie ist die ganze Bandbreite des Schadens immer noch nicht absehbar. Auf den Konzern könnten hohe Milliardenkosten wegen Bußgeldern und Strafzahlungen zukommen – die Kosten der technischen Nachbesserungen nicht eingerechnet. Doch das ist nur der Auftakt. Da zwischen der Bestellung und Auslieferung der Fahrzeuge mehrere Wochen oder sogar Monate liegen, dürfte sich bald auch ein deutlicher Absatzrückgang bei VW bemerkbar machen. 

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In der Ruhe liegt die Kraft

In der Ruhe liegt die Kraft

Kennen Sie ihn, diesen Moment absoluter Stille? Wenn man plötzlich nichts mehr um sich herum wahrnimmt außer dem eigenen Herzschlag, dem Blubbern des Verdauungstrakts und dem Pfeifkonzert der Raucherlunge? Etliche Menschen werden eine solche Erfahrung seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht haben. Wie auch? Die Geräuschkulisse der Großstadt ist an Penetranz und Vielfalt nur noch von der breiten Geruchspalette eines oberbayerischen Bauernhofes zu toppen. Und in ländlichen Gegenden erinnert der Glockenschlag einer Kirchturmuhr auch nachts gerne an die Zeitlichkeit des Daseins. Man muss schon weit reisen, um dem Gehör endlich Ruhe zu verschaffen. 

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Volle (Fremd-)Kontrolle

Volle (Fremd-)Kontrolle

Spätestens seit den Enthüllungen der NSA-Affäre wissen wir: Die Überwachung jedes Einzelnen von uns gehört zu den perversen Nebenwirkungen der digitalen Gegenwart. Den gestörten Voyeurismus-Drang der Geheimdienste für einen Augenblick ausgeblendet, stellen wir fest, dass die Überwachung heute maßgeblich von der privaten Wirtschaft geprägt und von der breiten Masse der Verbraucher gewollt oder zumindest gedultet wird. Unser größter Kontrollfreak werkelt in unserer eigenen Tasche. Mit Sensoren vollgepackt und durch Apps ergänzt, verrät das Smartphone permanent und zuverlässig die Daten seines Geräteinhabers, so z. B. den Aufenthaltsort. 

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Drohender Verkehrsinfarkt

Drohender Verkehrsinfarkt

Zeit zu haben, ist Luxus. Das ist die Variante der Prunksucht, die man sich auch mit einem Durchschnittsgehalt leisten kann. Zumindest im Urlaub nimmt sich der käseweiße und ausgepowerte Mitteleuropäer vor, in den Entspannungsmodus zu gehen. Neue Rekorde im Schnellduschen und -früstücken werden bis auf weiteres ausgesetzt, Zeit zu haben wird zelebriert. Dem Müßiggang wird gefrönt und wir schauen nicht mehr auf die Uhr – bis der erste Termin uns wieder in die Realität der streng getakteten Welt katapultiert. 

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Das Energie-Dilemma

Das Enegie-Dilemma

Der Energiehunger der Menschheit führt zu einer dramatischen Verknappung weltweiter Schlüsselressourcen. Grund dafür ist nicht nur der steigende Bevölkerungswachstum, sondern auch der hohe Verbrauch von Energie in Industrieländern. Auch China hat einen Anteil daran: Auf ihrem Weg zur Wirtschaftsmacht gehen die Asiaten energiepolitisch über Leichen und lassen jegliche Effizienz im Umgang mit dem knappen Gut missen.

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Alles nur geklaut

Alles nur geklaut

Man sah sie schon von Weitem kommen. Mit der Totenkopffahne am Mast gaben sie wenig Raum für Fehlinterpretationen – die Absichten waren unmissverständlich, der Ausgang des Angriffs vorherzusehen. Piraten erlebten im 17. Jahrhundert während der Kolonisierung Amerikas durch Spanien und Portugal ihre Blütezeit und strahlen auch heute noch eine gewisse Faszination aus. Das Handeln ihrer modernen Nachfahren dagegen ist fern jeder romantischen Verklärung der einstigen Freibeuterei auf See: Die einen kapern schwer bewaffnet als maritimer Zweig des organisierten Verbrechens ausländische Schiffe und Tanker, die anderen treiben in den Landtagen der Republik ihr Unwesen.

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Das Spiel mit dem Risiko

Das Spiel mit dem Risiko

Hinaus in die Nacht, in einem Satz über den Absperrzaun, an den Wachleuten vorbei und dann völlig ungesichert hoch hinauf auf das Gebäude, Windrad oder die Antenne – je höher, desto besser. Ein Selfie am Abgrund krönt den Abschluss der lebensgefährlichen Aktion, bei der Extremkletterer, auch „Roofer“ genannt, nicht nur Kopf und Kragen, sondern ihr Leben riskieren. Jugendlicher Leichtsinn? Schon möglich, doch auch Menschen jenseits des hormongesteuerten Alters setzen sich freiwillig Gefahren aus, die bei anderen nur angstbedingten Schweißausbruchauslösen würden. Was tut man nicht alles für den ultimativen Adrenalin-Kick?

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Weg mit dem Dreck

Kommentar Müllmann

Müll gibt es schon so lange wie es die Menschheit gibt. Es zu produzieren, ist eine rein menschliche Eigenheit. Anders als im Tier- und Pflanzenreich, wo ein perfekter geschlossener Kreislauf herrscht, haben wir auch im Zeitalter der Übertechnisierung und Digitalgedöns keine mustergültige Lösung für die Abfallbeseitigung finden können. Und an ernst gemeinter Abfallvermeidung, die im Übrigen kontraproduktiv zum Wachstumsgebot als Lebenselement einer funktionierenden Marktwirtschaft steht,  gibt es in unseren Breitengraden keine redenswerte Lobby. 

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Der Psychokrieg am Arbeitsplatz

Kollegen und Vorgesetzten ist er ein Dorn im Auge. Der betagte Angestellte Günther, der seit einem gefühlten halben Jahrhundert das letzte Büro im Gang bevölkert und seiner Arbeit zwar routiniert, doch alles andere als motiviert nachgeht, wirkt mit seinem großkarierten Sakko und der Herrenhandtasche wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Damals, als er noch Haare auf dem Kopf hatte, hat er sich einen guten Vertrag ausgehandelt. Die Arbeitsbedingungen waren besser, es gab weniger Hektik im Job und Rentner auf den Schultern. Mit dieser Einstellung und der Gewissheit, nur noch einige Jahre „durchhalten“ zu müssen, kommt er auch heute noch ins Büro, während sich alles andere um ihn herum verändert hat.

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