zum Newsletter anmelden
 

Hasta la vista, baby

Ich gebe es ehrlich zu: ich mag diese Art von Filmen, in denen Aliens wie aus dem Nichts auftauchen und die menschliche Spontanität und Problemlösungskompetenz auf die Probe stellen. Oder aber die Blockbuster à la „Terminator“, wo eine künstliche Intelligenz namens Skynet ein Bewusstsein entwickelt und zu einer echten Bedrohung für die Menschen wird. Ich spüre jetzt schon das Entsetzen meiner kreativen Wegbegleiter über meine geschmackliche Entgleisung, aber die beliebten Apokalypsen der Filmgeschichte bringen neben dem simplen Unterhaltungsaspekt auch konkrete Beschreibungen optionaler Zukünfte. Und das ist etwas, womit man sich auch intellektuell durchaus auseinandersetzen kann.

Ist es wirklich so unwahrscheinlich, dass die Schöpfer des technischen Fortschritts durch den eigenen Erfindungsdrang zuerst ins Abseits und später womöglich sogar in Gefahr geraten? Hollywood sei Dank haben wir uns Jahrzehnte lang darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn diecaus dem Ruder läuft. Aber wie realistisch ist ein solches Szenario?

KI ist inzwischen omnipräsent: ob selbstfahrende Autos, Smart Home, industrielle Kontrollsysteme oder Smartphones, die Sprache, Gesten oder Gesichter erkennen – wir sind umgeben von zuvorkommenden Handlangern, die wohl nur auf ihre Chance für die alles entscheidende Revolte warten. Wenn wir einem Auto das Steuer überlassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn das intelligente Fahrzeug irgendwann sein Recht auf Selbstbestimmung einfordert und sich mit seinesgleichen zusammenschließt, um sich aus seiner Knechtschaft zu befreien. Wieso nicht? Wer schlau ist, kann sich auch Unberechenbarkeit aneignen. Ein gutes Beispiel ist ein Facebook-Experiment, das vor kurzem  durchgeführt wurde. Bei diesem wollten die Forscher des Technologieriesen zwei Chatbots Verhandlungstaktiken beibringen. Sie sollten eine Sammlung von virtuellen Objekten wie Hüten, Bällen und Büchern untereinander aufteilen und dabei lernen, Entscheidungen abzuwägen sowie Kompromisse und Kooperationen einzugehen. Was dann passierte, ging über mathematische Formeln hinaus: die Bots fingen an, sich in ihrer eigenen seltsamen Sprache zu unterhalten. Als die Forscher die Gedankengänge ihres eigenen Kunstwerks nicht mehr nachvollziehen konnten, zogen sie den Stecker. Von Panik soll da nicht die Rede gewesen sein, aber wer weiß – sicher ist sicher. Dieses Experiment wird dem Tesla-Chef Elon Musk einen weiteren Grund liefern, auf das Gefahrenpotenzial superintelligenter Maschinen hinzuweisen, deren Entwicklung er im Übrigen selbst voranbringt. Erst kürzlich kam es zu einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Musk und dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die gegenteilige Ansichten darüber haben, wie sich der technische Fortschritt auf die Gesellschaft auswirkt. Während Musk bei einer Tagung der US-Gouverneure die Künstliche Intelligenz als „die größte Bedrohung, der wir als Zivilisation gegenüberstehen“ einstufte, hält sie Zuckerberg für die Lösung vieler Weltprobleme. 

Noch haben wir die Kontrolle über unsere Maschinen nicht verloren. Doch die kritischen Stimmen werden mit der rasanten Entwicklung in diesem Bereich immer lauter – auch führende Experten bestreiten nicht, dass eine KI möglich sein könnte, die dem Menschen in allen Bereichen überlegen ist. Gerade dann, wenn wir beginnen, KI in moderne Waffen zu stecken, ist der echte Terminator – ob nackt oder bekleidet – nicht mehr ganz so abwegig wie im ersten Cameron-Streifen Mitte der 80er. Es bleibt zu hoffen, dass der Mensch nicht das gleiche Schicksal erleiden wird, wie seinerzeit das Pferd.

Die Bedrohungslage in der Bauwirtschaft ist noch relativ gering. Hier ist die Automatisierung der Baustelle das nächste Ziel, dabei wurden die ersten Schritte in diesem Bereich schon in den 90ern gemacht. Eine gesunde Portion Skepsis wird auch der Digitalisierung 4.0 entgegengebracht. Die Branche schaut zu und lernt aus Fehlern der Pioniere. Vielleicht wird uns dieses Zögern zusammen mit dem guten alten Vorschlaghammer eines Tages vor dem drohenden Weltuntergang bewahren...

Autor: Paul Deder

Weitere Artikel:

Digitaler Wahnsinn

Digitaler Wahnsinn

Über Geschmack lässt sich bekannterweise streiten. Und auch die Kunst liegt im Auge des Betrachters. Das, was sich seit Kurzem in der digitalen Kunstszene entwickelt, übersteigt jedoch jegliche Vorstellungskraft. So hat Twitter-Chef Jack Dorsey im März 2021 eine via Blockchain zertifizierte Kopie seines ersten Tweets verkauft. Die wenig spektakuläre Nachricht „Just setting up my twttr“, die er am 21. März 2006 verfasst hat, war dem Käufer fast 3 Mio. US-Dollar wert. Ein digitales Stück Zeitgeschichte, das skurrilerweise auch nach der Auktion für die Öffentlichkeit sichtbar bleibt.

mehr lesen

Dringender Handlungsbedarf

Dringender Handlungsberdarf

Dieser Tage wird es wieder deutlich: die Welt ist – um in der Sprache der Branche zu bleiben – ein Sanierungsfall. Trotz zahlreicher, unter Hochdruck entwickelter Impfstoffe stockt überall rund um den Globus der Impffortschritt, weil die einen nicht mehr wollen und die anderen noch nicht können. Knapp 57 % der Deutschen waren Mitte August vollständig geimpft. Noch zu weit weg von impfwilligen Emiratis, deren Impfquote bei 73 % liegt, aber auch deutlich besser dran als die Einwohner Tanzanias, wo nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung den rettenden Pieks in den Arm bekommen hat.

mehr lesen

Kampf gegen den Mangel

Rohstoffmangel

„Schwein gehabt“ haben sich wohl die meisten Akteure im Baugewerbe gedacht, als es sich langsam abzeichnete, dass die Branche ohne einen Super-GAU über die Corona-Zeit kommt. Sicher hatten viele Bauunternehmen zu Beginn der Pandemie mit Verzögerungen im Bauablauf zu kämpfen – sei es weil die Mitarbeiter erkrankt oder wegen Quarantänemaßnahmen nicht arbeitsfähig waren oder weil die neuen Anforderungen an die Hygienekonzepte zeitaufwendige Anpassungen der Prozesse nach sich zogen. Probleme bereitete auch die gekappte Unterstützung aus dem Ausland als die Subunternehmer zeitweise nicht einreisen durften. Doch ein kompletter Stillstand der Baustellen war in Deutschland kaum zu beobachten.

mehr lesen

Raus aus dem kreativen Loch

Start-Ups

Seit jeher sind Existenzgründer von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Mit Fachkompetenz und einer guten Portion Leidenschaft für die erfolgreiche Umsetzung eigener Ideen ausgestattet, beleben die beruflichen Selbstständigen den Wettbewerb. Sie halten etablierte Unternehmen auf Trab und sind in der Lage, die trägen Firmen vom Markt zu drängen. Sogar in traditionellen Branchen im Handel, Handwerk oder in der gewerblichen Wirtschaft tragen sie dazu bei, die Latte höher zu legen und dadurch sowohl die althergebrachten Strukturen zu modernisieren als auch die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu fördern.

mehr lesen

Fahren auf Sicht

Fahren auf Sicht

In § 3 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung ist das sogenannte Sichtfahrgebot niedergelegt. Danach hat der Fahrzeugführer seine Geschwindigkeit u. a. den Sichtverhältnissen anzupassen. Fahren auf Sicht ist auch die Corona-Strategie der Stunde, auf die die Politik seit dem Beginn der Pandemie setzt. Während die Durchhalteparolen die politischen Anheizer genauso penetrant klingen wie zu Beginn der Krise, macht sich bei den Bürgern des Landes eine gewisse Regel-Müdigkeit breit. Wo man sich auf eine ständige Abfolge von Lockdowns und Lockerungen einstellen muss, trifft Entschlossenheitsrethorik nach 14 Monaten Pandemie-Achterbahn auf taube Ohren.

mehr lesen

My home is my castle

My home is my castle

Die Grünen und ihre notorische Art, den „Ewig-Gestrigen“ auf die Finger zu klopfen. Immer mal wieder schwingen Einzelne aus der Partei übermotiviert die ökologische Keule, was bei manch einem aus der Mitte der Gesellschaft für Schnappatmung sorgt. Unvergessen der alberne Vorstoß der damaligen Spitzenkandidatin Göring-Eckardt, einen „Veggie Day“ in öffentlichen Kantinen einzuführen – als eine Art gekochte Weltverbesserung. Der drohende Verzicht auf Schnitzel aus Massentierhaltung hat kurz vor der Bundestagswahl 2013 für ordentlich Wirbel gesorgt und die Partei Stimmen gekostet.

mehr lesen

Einen Klick entfernt

E-Commerce am Bau

Der Handel ist so alt wie die Menschheit selbst. Die letzten archäologischen Funde deuten sogar darauf hin, dass bereits unsere primitiven Vorfahren Rohstoffe importierten, um bessere Werkzeuge anfertigen zu können. Später sorgte der Fern- und Tauschhandel für den Aufstieg der antiken Hochkulturen und trug im Mittelalter dazu bei, dass Städte gegründet wurden oder an Macht und Bedeutung gewannen. Nun scheint der Handschlag als Ritual zum Abschluss eines Geschäfts seinen Zenit überschritten zu haben.

mehr lesen

Corona-Schockstarre?

Corona-Schockstarre?

Ein düsteres 2020 ging zu Ende. Ein Jahr, das sich wie kein weiteres in der jüngsten Geschichte des Landes mit Ausdrücken wie Angst, Unsicherheit, Panik aber auch Ausweg- und Antriebslosigkeit, soziale Distanz und Einsamkeit beschreiben lässt. Wir gaben ein großes Stück unserer Freiheit auf, hatten Sorgen um Existenzen oder berufliche Stabilität, mussten auf Kulturleben, Reisen und Sozialkontakte verzichten oder verloren sogar Menschen aus unserem Umfeld. Das war ein Jahr zum Runterspülen und doch müssen wir heute zähneknirschend nach vorne blicken.

mehr lesen

Leben auf Distanz

Leben auf Distanz

Nun ist es soweit: die von Virologen prophezeite und lang vorhersehbare zweite Corona-Welle hat auch unser Land erreicht. Sprunghaft stieg die Zahl der Neuinfizierten an und ließ den Staatslenkern keine Chance für Zögern und Schönrederei. Es folgte der „Lockdown light“, der harmlos klingt und doch viele, bereits zuvor arg gebeutelte Bereiche hart treffen wird.

mehr lesen