Nicht ganz sauber

Mann, Mann, Mann – da hat sich Volkswagen mit den geschönten Abgastests ein dickes faules Ei ins Nest gelegt. Groß war der Aufschrei als die amerikanische Umweltbehörde EPA vor zwei Monaten herausfand, dass der Autobauer bei seinen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware einsetzte. Nach dem darauffolgenden medialen Beben und einer Talfahrt der VW-Aktie ist die ganze Bandbreite des Schadens immer noch nicht absehbar. Auf den Konzern könnten hohe Milliardenkosten wegen Bußgeldern und Strafzahlungen zukommen – die Kosten der technischen Nachbesserungen nicht eingerechnet. Doch das ist nur der Auftakt. Da zwischen der Bestellung und Auslieferung der Fahrzeuge mehrere Wochen oder sogar Monate liegen, dürfte sich bald auch ein deutlicher Absatzrückgang bei VW bemerkbar machen. 

Der Vertrauensverlust vieler Käufer in die deutscheste aller Automarken dürfte nicht unwesentlich ausfallen. Volkswagens kreativer Umgang mit Zahlenmaterial war aber auch ein Bärendienst für die ganze Autobranche. Seitdem bemühen sich große Zulieferer klarzustellen, nichts mit den Manipulationen der Wolfsburger zu tun zu haben. Die  Bundesregierung fürchtet sogar um das Image von „Made in Germany“. Es wäre dann doch etwas zu hoch gegriffen, denn den Untergang der deutschen Wirtschaft wird die der Betrug eines Einzelnen nicht auslösen können. Wie wir das schon von Siemens oder der Deutschen Bank kennen – Unternehmen bauen Mist, bei großen Konzernen sind die Haufen etwas größer, doch am Ende des Tages geht das Leben weiter. Business as usual.

Steht der Diesel nun auf der Kippe? Nicht wirklich und vor allem nicht bei uns. Nicht immer bringen Scherben Glück, doch wahre Liebe übersteht schon mal etwas zerbrochenes Porzellan. Die Deutschen lieben den Diesel. Rund 48 Prozent der im vergangenen Jahr hierzulande neu zugelassenen Pkw waren Dieselfahrzeuge. Wir mögen es eben rau und dynamisch. Und sparsam – hier kann der Selbstzünder auch bei korrekt abgestimmtem Motorbetrieb punkten. Anders ist die Lage im Land des unbegrenzten Spritverbrauchs. In den USA könnte die Manipulation der als Traktorantrieb verspotteten Technik endgültig den Garaus machen. Es ist bittere Ironie, dass VW ausgerechnet von einem Land abgewatscht wurde, wo „Hubraum statt Spoiler“ kein Spruch, sondern eine  Lebenseinstellung ist. Pro Kopf geben die Amerikaner jährlich 16,5 Tonnen Kohlenstoffdioxid an die Atmosphäre ab, damit beinah doppelt so viel wie die Deutschen und drei Mal soviel wie die Chinesen. Nein, flammende Klimaschützer sind die Amerikaner nicht. Sie gewichten nur anders. Die Folgen der Stickoxide (NOx) werden in den Vereinigten Staaten als besonders schlimm angesehen, die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben ist aus ihrer Sicht ausgeprägter. Daher liegen die NOx-Grenzwerte in den USA mit etwa 43 mg/km deutlich unter dem europäischen Grenzwert. Anders beim CO² , das als „Klimagift“ globalere Auswirkungen hat und daher für die Europäer schwerer wiegt. Das wird ebenfalls anhand der Grenzwerte deutlich: 130 g/km bei uns im Vergleich zu 165 g/km in den USA.

Am Dieselmotor führt in der Baumaschinenindustrie noch kein Weg vorbei. In den letzten Jahren galt es aber, Bagger & Co. sauberer zu machen. Denn die dieselbetriebenen Arbeitsmaschinen waren an 25 Prozent der verkehrsbedingten Feinstaubemissionen in den deutschen Innenstädten beteiligt. Durch die seit 2011 geltenden europäischen Emissionsgrenzwerte für alle neuen Maschinen wurde viel für die Reduzierung der Abgasschadstoffe getan. Die Grenzwerte gemäß Stufe IV, die seit 2014 stufenweise in Kraft treten, sorgen für eine Reduzierung der Stickoxide und Feinstaubpartikel um je 90 Prozent im Vergleich zu den Werten aus dem Jahr 2006. Ohne Kompromisse hinsichtlich Leistung, Wartungsaufwand oder Energieeffizienz. Und – so die Hoffnung – ganz ohne Schummelei.

Autor: Paul Deder

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