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4. Construction Equipment Forum zeigt technologische Trends am Bau auf – bei Klimaneutralität und Digitalisierung

Innovationstempo erhöhen

IPM AG Institut für Produktionsmanagement

Anschrift:
Schiffgraben 42
30175 Hannover
Deutschland

Die Corona-Pandemie offenbarte schon während des ersten Lockdowns die Rückstände bei der Digitalisierung der Baubranche. Auch wenn die Bautätigkeit in Deutschland im Großen und Ganzen aufrechterhalten werden konnte, mussten in einigen Betriebsbereichen auf die Schnelle digitale Arbeitskompetenzen hinzugewonnen und Arbeitsabläufe umgestaltet werden. Einhellig wurde die Hoffnung geäußert, die Branche könne vom neuen Unheil sogar profitieren, weil die Krise dem deutschen Bau den dringend notwendigen Digitalisierungsschub bescheren könne. Anbieter von digitalen Lösungen, Messe- und Kongressveranstalter sowie die Baufachmedien haben jedenfalls reagiert und das Thema „Digitalisierung“ verstärkt in den Fokus genommen. So wie die Organisatoren der jährlich stattfindenden Leitkonferenz der Baumaschinenindustrie „Construction Equipment Forum“.

Das letzte Event fand im November in Berlin dank der damals noch relativ entspannten Pandemie-Lage als Präsenzveranstaltung statt. Zeitgleich wurden die Vorträge auch virtuell übertragen, sodass insgesamt rund 550 physische und virtuelle Teilnehmer auf 55 Aussteller/Sponsoren und 50 Redner treffen konnten. Zwei Tage lang konnte im Berliner Kongresszentrum „Estrel“ genetworkt und sich über neue Themen ausgetauscht werden. Mit dem Titel „Die Zukunft ist jetzt – Die Pandemie als Beschleuniger von Innovationen“ wurde in der vierten Auflage der Konferenzreihe über Themenfelder wie „klimaneutrale Baustelle“ oder „Covid-19 Learnings“ diskutiert und es wurden Lösungen für digitale und autonome Zukunftstechnologien präsentiert.

Digitalisierungsschub Fehlanzeige?

Dass die Baubranche bei der digitalen Transformation schon lange hinterherhinkt, ist bei allen Akteuren bekannt. Daher wurde mit dem Beginn der Pandemie auf einen Digitalisierungsschub gehofft – als einen aus der Not heraus erzeugten positiven Effekt der Krise. Doch unabhängige Befragungen, wie die vom Forschungsinstitut BauInfoConsult, zeigen auf, dass der deutsche Bau sich nur träge auf die neue Realität einstellt und eine verstärkte Entwicklung in Richtung Digitalisierung bei den meisten Bauakteuren noch nicht zu erkennen ist. Verständlich, denn die Branche hat sich über einen langen Zeitraum positiv entwickelt und wurde auch in den Lockdown-Phasen als systemrelevanter Wirtschaftszweig von Einschränkungen weitgehend verschont. Für viele gab es daher keine Notwendigkeit, die traditionellen Arbeitsweisen kritisch zu hinterfragen.

Trotzdem muss das Thema aktiv vorangetrieben werden. Denn zum einen fehlt dem Baugewerbe überall in Deutschland der Nachwuchs, was die Situation mit dem Fachkräftemangel weiter verschärft. Digitale Prozesse und Tools könnten die Branche für junge Menschen jedoch attraktiver machen und den Stellenwert der Berufe im Baugewerbe erhöhen. Zum anderen führt die wachsende Unternehmensdichte am Bau (30 % mehr Unternehmen von 2008 bis 2018) zum steigenden Wettbewerbsdruck. In Anbetracht dieser Rahmenbedingungen werden sich auf lange Sicht nur Unternehmen behaupten können, die es geschafft haben, sich digital aufzustellen. Durch den effizienten Einsatz moderner Technologien können neue Märkte erschlossen, Wettbewerbsvorteile gewonnen und die raren Fachkräfte entlastet werden.

Nachhaltigkeit im Bausektor

Auch der Klimaschutz beschäftigt die Baubranche. Zurecht, denn die Abfallproduktion beim Neubau und Abbruch ist enorm – lt. Statistischem Bundesamt ist der Bausektor der größte Müllproduzent des Landes. Und auch die grauen Emissionen, die z. B. bei Herstellung und Transport von Baustoffen und Bauprodukten entstehen, sind ein großes Problem der Branche: etwa 39 % der weltweiten CO2-Emissionen entstehen im Bausektor.

Natürlich verursacht auch der reine Baustellenbetrieb Emissionen. Bei der Kraftstoffverbrennung im Dieselmotor der Baumaschinen werden Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid und Stickoxide erzeugt, die der Umwelt und den Einwohnern zusetzen. Viele Städte reagieren auf die steigende Luftverschmutzung und verhängen Dieselfahrverbote. Bis die konventionell angetriebenen Baumaschinen ebenso in den Fokus der Behörden rücken, dürfte somit nur eine Frage der Zeit sein. Zahlreiche Metropolen wie Oslo, Los Angeles oder Budapest wollen z. B. bei Neubau- und Infrastrukturprojekten bis 2025 nur noch emissionsfreie Baumaschinen einsetzen.

Einige Lösungen für alternative Antriebe mit Gas oder Strom gibt es schon jetzt, zahlreiche weitere Hersteller haben den Trend erkannt und arbeiten unter Hochdruck an nachhaltigen Baumaschinen, um eines Tages die Idee einer wirtschaftlich tragbaren, emissionsfreien Baustelle um setzen zu können.

Mehrwert durch Optimierung

Es geht dabei nicht unbedingt um die große technische Revolution, die alles bis dato Übliche von heute auf morgen in Frage stellt. Auch die Optimierung der heute vor herrschenden Technologie kann uns der Klimaneutralität näher bringen. Ein gutes Beispiel dafür kam vom Patrick Scherr, Leiter Regionaler Geschäftsbereich Off-Road bei der Schaeffler Technologies AG & Co. KG. „Ein Drittel des gesamten Energiebedarfs geht durch Reibung in den Maschinenkomponenten verloren“, sagte Scherr. Die bestmögliche Vermeidung solcher Verschwendungen könne also auch einen Beitrag dazu leisten, CO2 zu reduzieren. Zusammen mit einem Hydraulikpumpen-Hersteller hat Schaeffler daher an der Optimierung von Radlagern gearbeitet. Am Ende des Tages hat der Baumaschinen-Zulieferer reibreduzierte Radlager sowohl in Axialkolbenpumpen als auch in -motoren eingesetzt und dadurch die Effizienz der Pumpen steigern können. „Durch die Optimierung konnte bei einem Radlader die Motorleistung von 140 kW auf 131 kW reduziert werden – ohne Einbußen bei der Leistungsfähigkeit. Das bedeutet eine Performance-Steigerung des gesamten Systems um 6 %“, so Scherr. Würde man das auf eine Flotte von 1.000 Maschinen aufrechnen, dann könnte man nicht nur eine Menge Kosten, sondern auf das Jahr gesehen auch rund 15.800 t an CO2 einsparen.

Scherr teilte auch die Erwartungshaltung von Schaeffler im Hinblick auf die Entwicklung der alternativen Antriebe im Baumaschinenbereich mit. „In 2030 werden 15 % aller neu verkauften Baumaschinen einen elektrischen, weitere 15 % einen hybriden Antrieb haben, während 70 % der Technik konventionell mit einem Verbrennungsmotor ausgestatten sein wird.“ Dabei ist man bei Schaeffler sicher, dass nicht nur kompakte Technik, sondern auch leistungsstärkere Maschinen in der Zukunft elektrifiziert sein werden. Der Antrieb der Zukunft wird dabei voraussichtlich ein permanenterregter Synchronmotor (PSM) sein, der durch eine hohe Leistungsdichte punktet.

Auch Antti Väyrynen, Director Sales Editron bei Danfoss Power Solutions ApS, sieht Möglichkeiten zur Kohlenstoffreduzierung im Bauwesen: „Wir sollten uns insbesondere auf die Bagger über 10 t Betriebsgewicht fokussieren, die aufgrund ihrer großen Anzahl für den Großteil der CO2-Emissionen in der Baumaschinentechnik verantwortlich sind. Das Einsparpotenzial von CO2 in diesem Bereich ist am Größten und liegt bei über 180 Mt pro Jahr.“ Um also eine Verringerung des CO2-Fußabrucks um 30 % bei Baggern zu erreichen, schlägt Danfoss eine Kombinationslösung vor. Zuerst sollte der Energieverbrauch jeder zweiten weltweit produzierten, konventionell angetriebenen Maschine (150.000 Bagger zwischen 10 und 35 t Betriebsgewicht) um 30 % reduziert werden. „Das ist ohne Weiteres möglich, weil die Hydrauliksysteme viel Raum für Verbesserungen bieten. Mit unserer Digital Displacement-Technologie geht deutlich weniger Energie verloren, die Anlage arbeitet effizienter“, so Väyrynen.

Des Weiteren könnten 40 % der Bagger elektrifiziert werden, z. B. mit dem elektrischen Antriebssystem Danfoss EDITRON. „Ich weiß, dass die Elektrifizierung der Flotte mit Mehrkosten verbunden ist – die Technologie ist teurer in der Anschaffung. Alledings zeigen unsere Berechnungen, dass die TCO-Gesamtkosten der mit unserem EDITRON-System und der Digital Displacement-Technologie ausgestatteten Maschine nach 5 Jahren geringer ausfallen als die eines konventionellen Baggers“, sagt Väyrynen.

Wettbewerbsvorteil Klimaneutralität

Seit sechs Jahren entwickelt Wacker Neu son CO2-freie Technik. Die Anforderung bei der Zero Emission Serie ist es, bei 100 % Lärm- und Abgasfreiheit keine Kompromisse bei Leistung oder Funktionsumfang einzugehen. Zudem sollte die Maschine ohne Schnellladen einen ganzen Arbeitstag durchhalten können.

Auch wenn die Nutzung der elektrischen Baumaschinen ökologische Vorteile mit sich bringt, geht es Alexander Greschner, Chief Sales Officer (CSO) bei Wacker Neuson, auch um ökonomische Aspekte. „Mit emissionsfreier Technik kann man zu anderen Zeiten und an anderen Orten arbeiten – in Gebäuden genauso wie an lärmsensiblen Plätzen wie Krankenhäusern, Schulen oder Zoos“, sagt Greschner. Die Maschinen können also deutlich flexibler eingesetzt werden und die Unternehmer haben gute Aussichten, Zusatzaufträge generieren zu können. Zudem benötigen die Maschinen kaum Wartung, was sich positiv auf die Kostenentwicklung während der Maschinen-Lebenszeit auswirke.

Eine große Herausforderung für die Umsetzung einer emissionsfreien Baustelle ist es jedoch, über Einzelprodukte hinausgehende ganzheitliche Lösungen anzubieten. „Neben dem E-Bagger braucht der Bauunternehmer auch Lösungen für Service, Stromversorgung, Fleet Management, Recycling oder angepasste Finanzierungsmodelle, um in die Elektrifizierung der Baumaschinenflotten investieren zu können.“ Auf dem Weg zu einem 360° Eco-System sind viele Fragen zu klären und Lösungen zu entwickeln. Themen, die man als Hersteller am Besten zusammen mit weiteren Partnern wie Kunden, Wettbewerbern oder Lieferanten angehen kann. „Nur wenn alle an einem Strang ziehen, entstehen gemeinsame Standards, die allen nutzen.“, betont Greschner.

Über die Möglichkeiten der Elektrifizierung bestehender Maschinen sprach Stefan Schneider, Geschäftsführer bei der Suncar HK AG. 2015 als Tochterfirma der Huppenkothen Baumaschinen AG gegründet, entwickelt das Unternehmen weltweit Elektrisierungslösungen im Bereich der Nutz- und Kommunalfahrzeuge. Das Portfolio an E-Baggern umfasst mittlerweile drei Modelle. Alles begann mit dem Kontakt zu einem Bauunternehmer aus der Region, der sich die Frage stellte, wieso er die überschüssige Energie seiner Solaranlage ins Netz einspeisen muss, während seine Baumaschinen auf dem Bauhof weiterhin auf Diesel als Energieträger angewiesen sind. „Diese Anfrage hat uns dazu gebracht, dass wir den ersten 14-Tonnen-Bagger elektrifiziert haben“, sagt Schneider.

Seitdem habe sich lt. Schneider einiges entwickelt, die Akku-Technologie machte einen großen Sprung nach vorne. „Ich bin überzeugt, dass wir schon heute die meisten Maschinen mit Diesel-Motor elektrifizieren können. Das sollten wir meiner Meinung nach auch tun, weil wir im Non-Road-Bereich neben der CO2-Belastung auch zunehmend ein NOx-Problem bekommen.“

Trotz der Fortschritte kostet die Entwicklung einer völlig neuen Maschine Zeit und Geld, daher hat sich Suncar darauf spezialisiert, bestehende Maschinen umzubauen. Nicht bei jedem Modell ist das möglich, daher beginnt jedes Projekt mit einer Machbarkeitsstudie. „Wir prüfen, ob der Umbau technisch realisierbar ist und ob die ökologische Relevanz im Anschluss ausreichend hoch ist“, so Schneider. Hinterfragt wird auch die wirtschaftliche Tragbarkeit des Projekts – gerade bei schweren Maschinen, die eine große Anzahl an verbauten Akkus benötigen. Die Projektdauer beziffert Schneider auf etwa 1 Jahr, bis ein Prototyp in Betrieb gesetzt werden kann.

Die Zukunft ist elektrisch

Nach den Vorträgen wurde die Fragerunde eröffnet. Das Publikum interessierte die Einschätzung der beiden Experten, inwiefern sich Wasserstoff als Energieträger der Zukunft für Baumaschinen eignet. „Als Kompaktmaschinenhersteller konzentrieren wir uns auf die Batterie als Energieträger“, sagt Greschner. „Technisch ist die permanente Brennstoffzellen-Lösung auch interessant. Ich denke jedoch, dass wir nicht in der Lage sind, neben der Stromversorgung für E-Maschinen eine zweite Versorgungswelt für die Baustellen aufbauen zu können. Die Alternative ist für mich der Einsatz der auf Wasserstoff-Nutzung umgerüsteten Verbrennungsmotoren. So lassen sich die bestehenden Flotten weiter verwenden.“ Auch Schneider glaubt an die batterieelektrische Maschine als Technik der Zukunft. „Es gibt jedoch Baustellen, die sich weit weg von der Elektrizität befinden. Dort wäre der Wasserstoff ein geeigneter Speicher.“

Beide Experten räumten damit auf, E-Maschinen seien weniger robust als ihre konventionellen Pendants. „Wir haben aktuell etwa 200 Maschinen im Feld und bekommen daher mit, wie unsere Systeme laufen. Da die Maschinen weniger bewegliche Teile in den Anwendungen haben, sind sie sehr robust in der Nutzung“, sagt Schneider. Das bestätigt auch Greschner: „Ob elektrisch oder konventionell: die Maschinen sind von Haus aus robust gebaut. Dass die Technik auf der Baustelle streikt, liegt oft an der schlechten oder ungenügenden Wartung – ein Problem, das bei wartungsarmen E-Maschinen weniger auftreten dürfte.“ Auch die Gefahr, die von Lithium-Ionen-Akkus ausgehen soll, soll sich seiner Meinung nach in Grenzen halten. „Wir sind seit 6 Jahren mit unserer Akku-Technologie auf dem Markt und haben zehntausende elektrische Maschinen und Geräte im Einsatz auf den Baustellen dieser Welt. Bisher hatten wir keinen einzigen Unfall, der auf Lithium-Ionen-Akkus zurück geht“, argumentiert Greschner.

Produktiv durch Digitalisierung

Gleich mehrere Unternehmen informierten zu Beginn des zweiten Kongresstages über digitale Tools für die Baubranche. Catherine Faber, Senior Marketing Managerin bei Fielddata.io GmbH präsentierte mit „ACTIVITY“ eine Lösung für den Spezialtiefbau, die die Arbeitsprozesse und den Materialfluss auf der Baustelle optimieren kann.

Die Applikation ist für die Nutzung an mobilen Endgeräten entwickelt. In der Kabine des Bohrgeräts angebracht, kann der Fahrer durch Tippen auf das Display den aktuelen Prozessschritt starten und das jeweilige Verfahren damit aufzeichnen. Nachträgliches manuelles Dokumentieren des Herstellprozesses wird überflüssig. Auf diese Weise wird aber auch zeitnah sichtbar, was an einem Tag auf der Baustelle alles passiert ist — und was nicht. Unproduktive Zeiten wie z. B. das Warten auf Beton können schnell erkannt und beseitigt werden.

Wie man die Bauabfallentsorgung grüner und smarter gestalten kann, verriet Felix Heiden, Geschäftsführer der Wastebox Deutschland GmbH: „Die Entsorgungsprozesse auf der Baustelle sind heute leider immer noch analog. Wir können eine Pizza per App bequem vom Sofa aus konfigurieren, erledigen die Bestellung von Mulden und Containern aber immer noch per Telefon, E-Mail oder sogar Fax.“ Damit wird unfassbar viel Papierkram wie Preislisten, Angebote, Lieferscheine, Wiegescheine oder Rechnungen ausgedruckt und abgeheftet. „Das macht die Prozesse auf der Baustelle langsam“, sagt Heiden.

Als Online-Plattform für die Bauabfallentsorgung hilft Wastebox, die Entsorgungsprozesse zu optimieren. „Wir vernetzen Bauunternehmen mit Entsorgungspartnern – schnell und vollständig digital Per App können Baufirmen ihre Aufträge zügig platzieren und wir sorgen dafür, dass diese zuverlässig durchgeführt werden.“ Alle Informationen laufen in Echtzeit in einer zentralen Online-Plattform zusammen. So wird kein Auftrag und kein Container vergessen. Darüber hinaus sind alle Kosten transparent dargestellt. „Weil uns alle Daten digital zur Verfügung stehen, können wir sie fortlaufend auswerten. Das hilft, die Logistik auf der Baustelle zu optimieren und den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Denn die CO2-Emissionen, die bei der Logistik anfallen, gleichen wir durch ein Aufforstungsprojekt aus. Damit wird die Bauabfallentsorgung auf der Baustelle klimaneutral“, führt Heiden weiter aus.

Artem Kuchukov, CEO bei der Kewazo GmbH informierte als nächster Redner darüber, wie man den Materialtransport auf der Baustelle mit Hilfe von Robotertechnik automatisieren kann. Das erste Produkt des Münchener Start-ups ist der robotische Lastenaufzug LIFTBOT – eine Lösung, die im Gerüstbau den körperlich beanspruchenden Materialtransport übernimmt und die Mitarbeiter auf der Baustelle entlastet. „Der Gerüstbau hat heute drei Hauptprobleme – viel manuelle Arbeit, Fachkräftemangel und hohe Unfallzahlen“, sagt Kuchukov. Mehrere Tonnen Material werden von jedem Mitarbeiter täglich per Hand bewegt, weil bis dato nur der Bauaufzug eine Arbeitserleichterung bieten konnte. Seine Installatoin sei lt. Kuchukov aber bei kurzen Einsätzen von wenigen Tagen viel zu aufwendig.

Der LIFTBOT kann von 2 Personen ohne maschinelle Unterstützung in 20 Minuten installiert werden, ist flexibel einsetzbar und bietet kabellosen Akku-Betrieb. Die Steuerung erfolgt halbautomatisch, so dass Arbeitsschritte eingespart werden können. Kuchukov ist sich sicher: „Mit der Lösung lassen sich die Arbeiten mit weniger Personal erledigen, bis zu 50% der Kosten im Gerüstbau können eingespart werden.“ Zudem kommt der LIFTBOT aufgrund seiner kompakten Größe mit wenig Platz im Lager und auf der Baustelle aus. Ist der Robot im Einsatz, dann werden Betriebsdaten über die Datenanalyseplattform KEWAZO ON-SITE gesammelt, die den Kunden in der Projektplanung und Prozessoptimierung unterstützen.

Mobile Baudokumentation

BauDoc der Skill Software GmbH ist eine mobile Anwendung für alle Steuerungs - und Dokumentationsaufgaben in Baumanagement sowie Gebäude- und Bauwirtschaft. „Im Baualltag müssen die Prozesse gerade bei großen Projekten mit Fotos dokumentiert werden. Wir bieten hier ein Tool, welches den Aufwand der Nacharbeit wie Zuordnung, Ablage und Verwaltung reduziert“, sagt Produktmanager Thomas Heptner. Mit Instrumenten zu Terminkontrolle, Bautagebuch und Mängelmanagement ausgestattet, begleitet die Software die Projektverantwortlichen vom ersten Planstrich bis zur Revitalisierung. Die täglich gewonnenen Daten wie Veränderungen, Reparaturen oder Umbauten gehen in Bild und Text an den Server und stehen allen Beteiligten digital zur Verfügung. Da Nach- und Subunternehmer in BauDoc ebenfalls direkt eingebunden werden können, werden die Abläufe beschleunigt und die Kommunikation verbessert.

Wie digitale Hilfsmittel auch die Ausbildung am Bau verbessern können, präsentierte Michael Blech, Area Sales Manager Central Europe bei der schwedischen Tenstar Simulation AB. Die Fahrsimulatoren des Unternehmens bieten die Möglichkeit, verschiedene Maschinentypen – vom Bagger über die Planierraupe bis zum Kran – in dieselbe Plattform zu integrieren, was ein flexibles und kosteneffizientes Lernen ermöglicht. „Meine Vorredner sprachen davon, die Emissionen der Baumaschinen um 30 % reduzieren zu wollen. Mit unseren Lösungen tragen wir gewiss dazu bei, dieses Ziel zu erreichen“, so Blech. Denn der Betrieb eines Simulators, der ausschließlich mit Strom und ohne fossile Brennstoffe betrieben wird, sorgt im Vergleich zur jeweiligen Ausbildungs-Baumaschine für eine Reduzierung der Klimaauswirkungen.

Zudem üben die Lernenden in einem sicheren Umfeld und können dabei auch extreme Situationen und Vorgänge simulieren – ohne Gefahr für Gesundheit und teure Technik. Und sie sammeln Erfahrung – unabhängig von der Jahreszeit und Witterung. Wie hilfreich solche Simulatoren sind, erklärt Blech am Beispiel eines mittelständischen Tiefbauunternehmens, welches 75 Raupenbagger, 13 Mobilbagger, 3 Raupen und einige Lkws und Traktoren im Fuhrpark hat. Eines Tages fiel bei der Firmenleitung die Entscheidung, die Bagger mit einem Tiltrotator auszustatten. Es stellte sich nun die Frage, wer von den Fahrern diese Ausrüstung bekommt und wieviele Einheiten insgesamt benötigt werden. „Die Anbaugeräte sind teuer, daher musste geprüft werden, wer von den Fahrern in der Lage ist, den Nutzen der Investition optimal auszuschöpfen.“ Von den 75 Baggerfahrern, die mehrstündige Tests im Simulator durchliefen, wurden letztendlich 30 als ausreichend begabt eingestuft, mit einer solchen Ausstattung arbeiten zu können. „Das Unternehmen hat dabei viel Geld gespart. Für etwa 1.000 Praxisstunden während der Testphase mussten keine echten Maschinen ‚in Beschlag genommen‘ werden.“ Des Weiteren wurden nur so viele Tiltrotatoren angeschafft wie notwendig – eine Fehlinvestition wurde vermieden.

Im Tandem zum Erfolg

Wie eine Baufirma von digital versierten Geschäftspartnern profitieren kann, trug im Anschluss Arne Stehnken vor, Chief Financial Officer bei der Sharemac GmbH. Bei Sharemac handelt es sich um ein Online-Portal, auf dem Baumaschinen gemietet und vermietet werden, wobei sowohl die Händler als auch die Hersteller und Bau unternehmen ihre Geräte untereinander direkt austauschen können.

Die Idee zur Unternehmensgründung 2018 kam aus der Erkenntnis heraus, dass die Auslastung der Maschinen in der Branche aus verschiedenen Gründen nicht optimal ist. „Trotzdem war der Aufbau einer Sharing Economy in der Baubranche nicht einfach. Wir haben festgestellt, dass es kaum ein Gerätetracking gibt und die Disposition von Baumaschinen noch in den Kinderschuhen steckt“, sagt Stehnken.

Nach dem Launch der Vermietplattform hat Sharemac den Smart Asset Manager (SAM) entwickelt. Die Software bietet einen Kalender mit der Gesamtübersicht aller Projekte und ermöglicht ein hersteller- und geräteunabhängiges Maschinenparktracking in Echtzeit. Die Baufirma findet hier die automatische Zuordnung der Technik zu den Kostenstellen und kann über das System Miet- und Transportanfragen generieren. Alles in allem ermöglicht SAM eine schnelle und übersichtliche Baustellendokumentation. „Und das ist wichtig“, sagt Stehnken. „Wenn man etwas neues für eine Branche entwickelt, die nicht als die veränderungsfreudigste bekannt ist, dann muss die Lösung einfach und intuitiv sein – ohne lange Workshops und Einlernphasen.“

Ergänzend dazu bietet Sharemac eigene Telematik-Boxen an, mit deren Hilfe die Maschinendaten automatisch an die Software übertragen werden. Diese sind optimal auf jedes Gerät zugeschnitten und einfach zu installieren. Bestehende Telematiklösungen des Kunden können aber auch integriert werden.

Dass Sharemac so schnell durchstarten konnte, hat das Unternehmen auch der Zusammenarbeit mit Strabag zu verdanken. Strabag war auf der Suche nach einer Dispo-Software und baute dabei auf das Know-how der Sharemac-Spezialisten. Nach einer Pilotphase kam es im April 2021 zum Rollout von SAM in allen 13 Direktionen der Baufirma. Seitdem wissen die Verantwortlichen im Verkehrswegebau stets, wo sich ihre Geräte befinden und wie sie eingesetzt werden. Dadurch sind sie in der Lage, die Logistik auf der Baustelle zu optimieren. Und die Dispositionsabteilungen der Baufirma werden entlastet, weil die Kommunikation per Telefon und E-Mail stark reduziert wird und die Zettelwirtschaft komplett entfällt. „Durch Sharemac vermeiden wir Leerlaufposten bei den Geräten und sparen dabei noch Verwaltungs- und Abstimmungsaufwand, weil wir alle nur eine Plattform für die Organisation und Kommunikation nutzen“, sagt Lukas Semmler, Rechnungsprüfer bei der Strabag Großprojekte GmbH. Durch Sharemac könne er die Bearbeitungszeit pro Gerätedisposition von 30 Minuten auf etwa 10 Minuten reduzieren.

bpz meint: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Digitalisierung als Chance in den Köpfen vieler Akteure der Baubranche angekommen ist. Das wurde während der Managementkonferenz sowohl in den Vorträgen und Podiumsdiskussionen als auch beim Networking in der Ausstellung deutlich. Den Bauunternehmen fehlt jedoch weiterhin das Wissen für die Umsetzung und Implementierung von komplexen digitalen Lösungen. Informationsveranstaltungen wie diese und innovative Unternehmen mit visionären Ideen werden aber sicherlich dafür sorgen, dass sich die Branche mit der Zeit an die neue Realität anpassen wird.

(Autor: Paul Deder)

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