OP-Masken als Straßenbaustoff?

In den letzten Monaten sind sie zu unseren treuen Begleitern geworden: Die Mund-Nase-Masken sind für die Meisten ein lästiges Accessoire und doch auch ein hilfreiches Mittel gegen einen noch schlimmeren Verlauf der Pandemie. Die Kehrseite der Medaille: Die kleinen Lebensretter verschmutzen als Wegwerfartikel die Umwelt und lassen die Abfallberge wachsen. Umweltorganisationen gehen davon aus, dass im vergangenen Jahr rund 1,5 Mrd. Masken in die Weltmeere gespült wurden und dort für zusätzlichen Plastikmüll gesorgt haben. Doch auch richtig entsorgte Anti-Corona-Einwegprodukte wie Masken, Latex-Handschuhe und Schutz-Overalls sorgen für Unmengen an Müll. Allein in Deutschland erwartet man aus diesem Grund ein zusätzliches Abfallaufkommen von 1,1 Mio. t jährlich.

Nachdem die zu Beginn der Pandemie mit Liebe selbstgenähten Mehrweg-Stoffmasken nun verpönt sind, stellt sich die Frage – wohin mit dem Zusatzmüll? Immerhin werden Schätzungen zufolge etwa 7 Mrd. Einweg-Masken täglich weggeworfen, die dann auf Deponien oder in der Müllverbrennungsanlage landen. Ein interessanter Ansatz kommt aus Australien: Forscher der RMIT-Universität in Melbourne arbeiten gerade an der Umsetzung einer auf den ersten Blick kuriosen Idee, medizinische Masken als Baustoff für die Erstellung von Fahrbahnuntergründen zu nutzen. In Kombination mit dem Bauabfall, welcher ebenfalls ein Entsorgungsproblem in Australien darstellt, soll ein Recycling-Baustoff für den Straßenbau entstehen. Die Forscher fanden heraus, dass sich allein schon der verarbeitete Bauschutt – auch bekannt als RCA (Recycled Concrete Aggregate) – dafür eignet, als Baustoff für die Basisschichten einer Straße verwendet zu werden. Fügt man noch geschredderte Einweg-Masken hinzu (1 % der Gesamtmasse), dann soll dadurch sowohl die Festigkeit der Mischung verbessert werden, als auch ihre Spannungs-, Säure- und Wasserbeständigkeit.

Lt. der Studie des Forschungsteams werden für einen Kilometer einer zweispurigen Straße etwa 3 Mio. Masken benötigt,   was angesichts des aktuellen Verbrauchs keine logistische Schwierigkeit darstellen dürfte. Doch ist die Verwendung gebrauchter und möglicherweise kontaminierter Masken tatsächlich möglich? Immerhin wurde in experimentellen Versuchen ausschließlich mit neuem Material gearbeitet.

Hier verweisen die Forscher auf praxiserprobte Verfahren der Desinfektion. Demnach können mit der sogenannten „Mikrowellenmethode“, bei der Masken mit einer antiseptischen Lösung besprüht und dann in der Mikrowelle gekocht werden, 99,9% der Viren abgetötet werden. Nun bleibt abzuwarten, ob auch in Deutschland über vergleichbare Recyclingmöglichkeiten nachgedacht wird.

Autor: Paul Deder

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