Donnerstag, 7. Oktober 2021

Projektvolumen bei Neubauten steigt

Der Anteil der Hochbauprojekte im Neubau (Anzahl der Gebäude) mit einem Projektvolumen (veranschlagte Baukosten) von über 500.000 Euro am Gesamtmarkt ist zwischen 2002 und 2020 von 7,1 % auf 19,6 % gestiegen. Das heißt: Von den 137.250 Hochbauprojekten des Jahres 2020 - von denen 112.930 auf Wohngebäude entfielen - wurden knapp 26.900 Projekte mit einem Volumen von über einer halben Million Euro fertiggestellt (2002: 14.120 von 198.000 Projekten).

Davon entfielen 12.940 bzw. 9,4 % auf Projekte mit einem Volumen von über einer Million Euro, 2002 lag deren Anteil gerade einmal bei 3 % (6.000 Projekte). Auch der Anteil der Projekte in der Größenordnung von 250.000 bis 500.000 Euro hat sich in diesem Zeitraum auf 39,6 % mehr als verdoppelt. Demgegenüber haben die Projekte mit einem Volumen von bis zu 150.000 Euro stark an Bedeutung verloren: Deren Anteil ist von 41 % auf 13,8 % gesunken. Aber auch die Kategorie mit einem Volumen zwischen 150.000 und 250.000 Euro hat an Bedeutung verloren (von 35,5 % auf 27,0 %). Dies hat die Auswertung einer Sondertabelle des Statistischen Bundesamtes ergeben.

Der absolute und der anteilige Anstieg der Fertigstellungen von neuen Gebäuden im oberen Segment ist zum einen auf die gestiegenen Ansprüche der Bauherren zurückzuführen: Zunehmende Beschäftigung, steigende Einkommen und niedrige Zinsen machten es möglich, bei der Ausstattung etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Aber auch die steigende Nachfrage nach Immobilien durch internationale Investoren führte zu einem zunehmenden Angebot an höherpreisigen Immobilien. Zum anderen hat aber auch die ständig wachsende Zahl an Bauvorschriften, auch im Zuge der diversen Energieeinsparverordnungen (EnEV), zu steigenden Baukosten und somit zu einer Verschiebung in höhere Projektvolumen beigetragen. War der Anteil der Projekte mit einem Volumen von einer halben Millionen Euro und mehr von 2002 bis 2004 noch von 7,1 auf 6,2 % zurückgegangen, ist seit Einführung der EnEV`s 2004, 2007, 2009 und 2014 ein stetiger Anstieg zu beobachten. Insbesondere von 2007 auf 2008 - im Oktober 2007 trat die EnEV 2007 in Kraft - gab es einen starken Sprung um zwei Prozentpunkte auf einen Anteil von 10 %.

Zunehmende Anforderungen an die Wärmedämmung, an die Haustechnik, bei Brandschutz, Schallschutz und Barrierefreiheit sind zwar sinnvoll, sie verursachen aber auch hohe Kosten. Entsprechend haben sich die Anteile bei den Baukosten geändert: Hatte der Bereich der technischen Anlagen und Wärmedämmung beim Bau von Wohngebäuden im Jahr 2000 noch einen Anteil von 16 % an den gesamten Baukosten, so lag dieser 2015 bei 23 % (neuere Daten liegen noch nicht vor), bei Bürogebäuden ist der Anteil von 21 % auf 28 % gestiegen. Insbesondere die Preise für die technischen Anlagen sind in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen: Während der Baupreisindex für den Rohbau von Wohngebäuden von 2002 bis 2020 nur um 47 % gestiegen ist, legte er für Heiz- und zentrale Wassererwärmungsanlagen um fast 83 % und für Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen sogar um 107 % zu.

Preiswertes Bauen wird somit - auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern - immer schwieriger:  Entfielen bei diesen auf die Projektgrößenklasse bis 150.000 Euro 2002 noch 42,8 % der Gebäude, waren es 2020 nur noch 9,7 %. Bei Mehrfamilienhäusern entfiel 2002 noch knapp die Hälfte der Projekte auf die Größenklasse bis zu einer halben Million Euro, 2020 waren es nur noch 15,0 %. Auch bei Büro- und Verwaltungsgebäuden ging der Anteil der Projekte in dieser Größenklasse zurück: Von 47,1 % im Jahr 2002 auf 33,4 % in 2020.

Bei der Analyse nach Projektgrößenklassen muss man allerdings folgendes berücksichtigen: Die Daten liegen nur für die Anzahl der Gebäude vor und nicht nach veranschlagten Baukosten. Aus diesem Grund entfiel in dieser Auswertung 2020 auf das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser mit 71 % der größte Anteil. Der Anteil der Baufertigstellungen von Mehrfamilienhäusern an den gesamten fertiggestellten Gebäuden lag hingegen nur bei 11,2 %, der Anteil der Büro- und Verwaltungsgebäude betrug lediglich 1,3 %.

Die Bedeutung der betrachteten Gebäudetypen für den Umsatz in der Bauwirtschaft stellt sich allerdings anders dar. 2020 waren für die o.g. 137.250 neu fertiggestellten Gebäude 78 Mrd. Euro veranschlagt. Von diesen 78 Mrd. Euro entfielen nur 35,5 % auf Ein- und Zweifamilienhäuser, 27,5 % auf Mehrfamilienhäuser und 8,1 % auf Büro- und Verwaltungsgebäude.

Weitere Artikel:

50. VDBUM-Seminar als Branchentreff

50. VDBUM Großseminar
Unter dem Motto „50 Jahre – Fundament für die Zukunft“ treffen sich die führenden Köpfe der Branche vom 25. bis 28. Januar 2022 zum Wissensaustausch im Kongresszentrum Sauerland Stern Hotel in Willingen. Der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e.V. feiert sein 50-jähriges Bestehen mit 50 Partnern und 1.200 Fachbesuchern. Interessenten können sich über die VDBUM-Website anmelden – auch Tagesgäste sind herzlich willkommen.

mehr lesen

Die Preise steigen weiter

„Der Preisanstieg bei Baumaterialien setzt sich weiter fort. Insbesondere der Preis für Bauholz legte weiter zu, dieser ist im September 2021 binnen Monatsfrist um 8,4 % gestiegen. Er liegt damit mittlerweile um 137 % über dem Niveau des Vorjahres“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, die vom Statistischen Bundesamt heute veröffentlichen Erzeugerpreisindizes für gewerbliche Produkte in Deutschland.

mehr lesen

Einigung im Bauhauptgewerbe

Einigung im Tarifstreit
Die Tarifpartner im Bauhauptgewerbe mit seinen rund 890.000 Beschäftigten haben sich am heutigen frühen Freitagmorgen nach fünf Verhandlungs- und zwei Schlichtungsrunden geeinigt: Danach bekommen die Beschäftigten am Bau im Westen für die Monate Juli bis Oktober 2021 eine Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro, im Tarifgebiet-Ost sind dies 220 Euro. Zum 1. November 2021 werden die Einkommen im Westen um 2 %, im Osten um 3 % angehoben. Am 1. April 2022 gibt es eine weitere Erhöhung um 2,2 % (Ost: 2,8 %) und am 1. April 2023 um weitere 2 % (Ost: 2,7 %).

mehr lesen

Maschinenbau erholt sich von der Krise

Von Januar bis August des laufenden Jahres liegt der Branchenumsatz von Baumaschinen aus deutscher Produktion preisbereinigt um 14 % über dem Vorjahreszeitraum. Setzt sich dieser Trend bis zum Jahresende fort, erreicht die Branche fast das Niveau von 2019. Die Branche hat sich vom Schock des Pandemiejahres erholt. Sorgen machen den Baumaschinenherstellern die Zulieferer, die bestimmte Bauteile wie Halbleiter nicht ausliefern können.

mehr lesen

Corona: Bauakteure zeigen sich gelassen

Während der Sommermonate hat sich die Coronalage in Deutschland weitgehend entspannt. Doch mit dem Beginn der Herbstsaison fürchten viele Experten, dass die derzeit vorherrschende, aggressivere Delta-Variante schon in wenigen Wochen zwangsläufig zu einer erneuten Verschärfung der Coronaregeln führen wird. Zwar rechnen die wenigsten mit einem erneuten Lockdown wie im vorigen Herbst – doch womöglich stehen weitere Einschränkungen bevor, die viele Unternehmen hart treffen könnten. Die Baubranche nimmt dieses Szenario erstaunlich gelassen.

mehr lesen

Kein Ende im Bau-Tarifkonflikt

Die Schlichtung für das Bauhauptgewerbe mit seinen 890.000 Beschäftigten wurde am späten Donnerstagabend in Berlin unterbrochen. Das teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit. Die Gespräche sollen am kommenden Mittwoch voraussichtlich in Berlin fortgesetzt werden. Der IG BAU-Bundesvorsitzende, Robert Feiger, sprach von „den schwierigsten Verhandlungen im Baugewerbe seit Jahren“. Als Schlichter vermittelt der Präsident des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, zwischen den Tarifparteien.

mehr lesen

JCB entwickelt H2-betriebene Baumaschinen

JCB entwickelt H2-Baumaschinen
JCB will bereits Ende 2022 die ersten mit Wasserstoff betriebenen Bagger, Baggerlader und Teleskoplader vorstellen, die die Kunden dann auch bestellen können. Das gab Frank Zander, Geschäftsführer JCB Deutschland, auf den „Waste & Recycling Days“ seines Unternehmens in Frechen bekannt. „Bis Mitte 2023 wollen wir dann die ersten Maschinen ausliefern“, sagte Zander im Gespräch mit der bpz. JCB sehe sich damit als Vorreiter in der Wasserstofftechnologie.

mehr lesen

Hilti Gruppe mit starker Erholung

Die Hilti Gruppe hat per Ende August 2021 den Umsatz um 13 % auf CHF 3872 Mio. gesteigert. Das Betriebsergebnis und der Reingewinn lagen mit CHF 613 Mio. (+38%) und CHF 466 Mio. (+48%) ebenfalls deutlich über dem Vorjahreszeitraum. "Im Zuge der weltweit positiven Baukonjunktur konnten wir unsere Erholung vom Einbruch im letzten Jahr fortsetzen. Damit erzielen wir auch gegenüber dem Vorkrisenniveau von 2019 ein Wachstum von rund 5 % in Lokalwährungen", erklärt CEO Christoph Loos zum Zwischenergebnis.

mehr lesen