Das Spiel mit dem Risiko

Hinaus in die Nacht, in einem Satz über den Absperrzaun, an den Wachleuten vorbei und dann völlig ungesichert hoch hinauf auf das Gebäude, Windrad oder die Antenne – je höher, desto besser. Ein Selfie am Abgrund krönt den Abschluss der lebensgefährlichen Aktion, bei der Extremkletterer, auch „Roofer“ genannt, nicht nur Kopf und Kragen, sondern ihr Leben riskieren. Jugendlicher Leichtsinn? Schon möglich, doch auch Menschen jenseits des hormongesteuerten Alters setzen sich freiwillig Gefahren aus, die bei anderen nur angstbedingten Schweißausbruchauslösen würden. Was tut man nicht alles für den ultimativen Adrenalin-Kick?

Auf der anderen Seite gibt es die sicherheitsbedachten Warmduscher, denen jede Lust auf jedwedes Risiko abhanden gekommen ist. Sie klammern sich an das Erreichte, zahlen brav in den Bausparvertrag ein bis sie in ihrem Ausbildungsbetrieb nach einem halben Jahrhundert beruflicher Windstille in die Pension verabschiedet werden. Ob diese Welt von Sicherheitsfanatikern weiterentwickelt werden kann? Das Bauchgefühl sagt nein, doch in der Realität werden die meisten europäischen Industrienationen von veränderungsscheuen Bestandswahrern regiert. Mainstream-Politik ist langweilig, besitzt sogar eine gewisse anästhesierende Wirkung, trifft aber auf ein dankbares Wahlvolk.

Dabei zeigt die Geschichte der Menschheit, dass unsere Entwicklung stets fest mit der Bereitschaft verbunden war Wagnisse einzugehen. Die Bereitschaft zum Risiko, um mutig Chancen zu nutzen, hat uns zum Wachstum und Fortschritt verholfen. Zu einer Zeit, in der jede Expedition einem Himmelfahrtskommando glich, haben wir die Welt erforscht. Wir bezwangen die Schwerkraft, eroberten die Gipfel des Planeten und begaben uns in die Tiefe der Weltmeere. Schon als Krabbelkinder setzen wir uns bei den ersten Gehversuchen instinktiv dem Risiko aus, auf die Nase zu fallen. Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen – auch nicht nach wiederholtem Misserfolg. Mit dem Ergebnis, dass wir irgendwann auf den eigenen Beinen stehen.

Ist die kindliche Neugier mal gestillt, sind wir dann vorsichtiger. Im Ausland sind wir Deutschen z. B. als ein Volk von Bedenkenträgern bekannt. Für unseren Hang zum Grübeln erfanden ausländische Journalisten in den 80ern sogar das Schlagwort „German Angst“. Obwohl vom Sozialstaat vom ersten Atemzug an in Watte gepackt, sind wir von einem Gefühl der allgegenwärtigen Bedrohung getrieben und lassen uns gegen sämtliche Eventualitäten absichern. Fünf bis sechs Policen braucht der deutsche Durchschnittsbürger für den ruhigen Schlaf.

Der vierte Bundespräsident der BRD sagte einst: „Nichts geschieht ohne Risiko, aber ohne Risiko geschieht auch nichts.“ Wir brauchen also ein Mindestmaß an Wagnis, um für den einzelnen potenzielle Chancen erkennen und uns als Gesellschaft weiterentwickeln zu können. Und wir brauchen Persönlichkeiten, die bereit sind, sich von der schützenden „Herde“ zu lösen, um unkonventionell und eigenverantwortlich zu handeln.

Bauunternehmen sind aufgrund der Komplexität und Einzigartigkeit der jeweiligen Bauprojekte permanent von Risiken umgeben. Wie soll man sich strategisch positionieren, um langfristig erfolgreich zu sein? Stimmen die Rahmenbedingungen für akzeptable Erträge? Auch im operativen Geschäft müssen Gefahren aus dem Weg geräumt werden. Gerade bei großen Bauprojekten ist die durchgängige Planung, Kalkulation und Steuerung der Projekte sowie die effiziente Organisation aller technischen und kaufmännischen Abläufe entscheidend für einen erfolgreichen Abschluss. Dafür gibt es professionelle Dienstleister, die ganzheitliche Lösungen im Portfolio haben. Weitere Risiken, die z. B. durch Baumängel oder Defizite in der Arbeitssicherheit entstehen, lassen sich durch Qualifizierung des Baustellenpersonals, klare Anweisungen und Kontrollmechanismen vermeiden. Damit kann trotz vielfältiger Risiken ein Mindestmaß an Sicherheit gewonnen und ein wertvoller Vorsprung im Wettbewerb hergestellt werden.

Autor: Paul Deder

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