Invasion der Superspäher

Ferngesteuerte Drohnen werden längst nicht mehr nur vom Militär eingesetzt. Ihr bisheriges Killer-Image weicht zunehmend dem Mehrwert, den die Miniflieger inzwischen bei ihrer zivilen Nutzung unter Beweis stellen können. Quadro- und Multicopter finden in Filmproduktionen, bei Werbeagenturen oder Berichterstattern vielseitig Verwendung. Kleine Drohnen mit mehreren Propellern tragen Kameras durch die Luft und ermöglichen Bilder aus völlig neuen Perspektiven. Zudem ersetzen sie komplizierte Kranaufbauten, gefährliche Kamerafahrten oder teuren Einsatz von  Hubschraubern.

Geht es nach dem Paketdienst DHL oder dem Online-Versandhändler Amazon, sollen Drohnen mittelfristig für die Paketlieferung eingesetzt werden und so den Warentransport revolutionieren. Dieser Bereich birgt ein enormes Potential, nicht zuletzt, weil hier dem Stauproblem und dem CO²-Ausstoß in den Großstädten vorgebeugt wird. Dass eine Maschine in diesem Fall den Postboten den Job kostet, darf durchaus kritisch betrachtet werden. Der Zugewinn an Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit des Versandes ist aber nicht von der Hand zu weisen. Erste Langzeittests laufen bereits: Im Norden Deutschlands fliegt ein DHL-Paketcopter regelmäßig vom Festland auf die Nordseeinsel Juist, um Medikamente auszuliefern. Auch wenn für einen breit angelegten Paketversand aus der Luft bisher die Rahmenbedingungen fehlen: an der Idee, in Zukunft eilige Güter in dünn besiedelte oder schlecht erreichbare Gebiete per Drohne zu liefern, hält der Paketzusteller jedoch fest. Auch die Landwirte greifen immer öfter zu Minidrohnen, um großflächiges Farmland zu überwachen. Mit den gemachten Aufnahmen können mögliche Krankheiten der Pflanzen erkannt und der Status des Wachstums festgestellt werden, um rechtzeitig entsprechende Maßnahmen für die Düngung und den Schutz der Pflanzen zu ergreifen.

In der Bauwirtschaft ist der Einsatz von Drohnen ebenfalls keine Zukunftsmusik mehr, sondern – besonders auf Großbaustellen – gelebte Realität. UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) sind günstig in der Anschaffung; ihr Einsatz ist deutlich preiswerter als der von Gerüsten, Arbeitsbühnen oder Industriekletterern. Drohnen untersuchen ganze Straßenzüge im Hinblick auf Energieverluste der Häuser. Sie helfen, Land zu vermessen, große  Industrieanlagen  zu  überwachen  oder  den  Baufortschritt  zu  kontrollieren. Schweizer Forscher sind sogar der Meinung, man könne die Drohnen zu Bautrupps umfunktionieren. Sie haben Flugdrohnen beigebracht, Konstruktionen aus Seilen zu weben – eine  Technik, die in Zukunft beim Brückenbau Verwendung finden könnte. Im Vorfeld einer Dachsanierung können solche Miniflieger eine kostspielige Dachbegehung ersetzen. Auch bei aufwendigen Dachgeometrien ermöglichen sie eine optimale Beurteilung des Gebäudes und somit eine effiziente Planung von Sanierungsmaßnahmen.

Autor: Paul Deder