Mittwoch, 15. November 2017

Streik in der ostdeutschen Baustoffindustrie

Beim Baumaterial droht ein Engpass: Wichtige Teile der Baustoffproduktion im Osten Deutschlands könnten zum Erliegen kommen. Grund dafür ist ein am 13. November beginnender Streik in der Baustoffindustrie. Den Auftakt dazu machte die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am frühen Morgen im Werk eines Baustoffherstellers in Sachsen-Anhalt. Weitere Arbeitsniederlegungen sollen im Laufe der nächsten Wochen in mehreren Betrieben der Branche in Ostdeutschland folgen. Betroffen ist neben der Sand-, Kies- und Mörtelherstellung auch die Naturstein- und Transportbeton-Industrie.

In den fünf neuen Bundesländern sind insgesamt rund 3.500 Menschen in diesem Zweig beschäftigt. Für sie fordert die IG BAU eine Lohnerhöhung um 4,8 im ersten und um 4,2 % im zweiten Jahr. Das Angebot der Arbeitgeber blieb nach Angaben der Gewerkschaft mit 3,5 und 3 % deutlich dahinter zurück. „Ziel der IG BAU ist es, mit dem Arbeitskampf das Ost-West-Lohngefälle der Branche von derzeit 16 Prozent zu verringern. Nach 28 Jahren ist eine Lohnmauer in den Köpfen der Arbeitgeber nicht mehr auszuhalten. Denn das hat mit Anerkennung und Wertschätzung der Arbeitsleistung ostdeutscher Arbeitnehmer nichts zu tun“, sagt Carsten Burckhardt vom IG BAU-Bundesvorstand.

„Die Verhandlungen dazu sind gescheitert. In den Betrieben herrscht jetzt eine Mischung aus Enttäuschung und Wut. Wir haben eine enorme Streikbereitschaft“, sagt Thomas Waldheim von der für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständigen IG BAU-Streikleitung. Bei der Urabstimmung hätten sich zuvor fast 100 % der Beschäftigten für einen Arbeitskampf ausgesprochen.

Mit der Baustoffindustrie werde nun eine Branche bestreikt, die derzeit einen Boom erlebe. Die Auftragsbücher der Bauunternehmen seien randvoll. Entsprechend gut laufe die Konjunktur auch für die Baustoffhersteller. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres hat das Bauhauptgewerbe in den fünf neuen Bundesländern und in Berlin nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Auftragseingänge von rund 9,88 Mrd. Euro registriert – und damit rund 18 % mehr als im Vergleichszeitraum vor drei Jahren.

„Umso unverständlicher ist es, dass die Arbeitgeber am Verhandlungstisch nicht eingelenkt haben“, so Carsten Burckhardt, der als Mitglied des Bundesvorstandes bei der IG BAU für die Baustoffbranche verantwortlich ist. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass der Streik bundesweit Auswirkungen haben wird. Insbesondere die ostdeutsche Bauwirtschaft werde die Folgen relativ rasch spüren.