Kaltfräse BM 2000/75 und Walzenzüge der 12-Tonnen-Klasse

Mit Hightech gegen schlechte Straßen

Experten betonen immer wieder: Die Straßen in Deutschland sind in einem schlechten Zustand. Über viele Jahre  hinweg ist die Infrastruktur zugunsten anderer politischer Projekte vernachlässigt worden. Nun nimmt die Regierung wieder etwas mehr Geld in die Hand. Hohes Verkehrsaufkommen trifft dann auf Baustellen, kilometerlange Staus sind die Folge. Um all diese negativen Auswirkungen zu vermeiden, sollte schon beim Einbau des Asphalts auf eine hohe Qualität der Ausführung geachtet werden. Nur so lässt sich die Lebensdauer unserer Verkehrswege verbessern. Wie das technisch gelöst werden kann, demonstrierte Mitte September der Hersteller Bomag im Rahmen seiner Veranstaltung „Innovation Days 2015“.

Während der sechstägigen Kundenveranstaltung präsentierte Bomag sein komplettes Produktportfolio – vom 55-kg-Stampfer bis zum 56-t-Verdichter. „Wir wollen unsere Leistungsfähigkeit nicht am stehenden Objekt, sondern im realistischen Einsatz demonstrieren“, argumentierte Jörg Unger, Präsident der Bomag GmbH für die Veranstaltung. Neben den Live-Demos gab es Vorträge und Workshops, welche die dringenden Themen im Erd- und Straßenbau tangierten. In seinem praxisnahen Vortrag referierte beispielsweise Dipl.-Ing. Dieter Straußberger, Leiter Geschäftsfeld Verkehrswegebau TÜV Rheinland LGA Bautechnik GmbH, zum Thema „Erdverdichtung: Die Basis für jedes Bauwerk“.

Prof. Dr. Alfred Ulrich von der Technischen Hochschule Köln griff ein anderes wichtiges Thema auf und sprach über den prozesssicheren, automatisierten Straßenbau. In seinem Vortrag wies er auf die nicht selten anzutreffenden Unzulänglichkeiten beim Asphalteinbau hin, welche sich negativ auf die Einbauqualität auswirken. Angefangen vom Beladen des Lkw mit fertigem Mischgut über den Transport und die Übergabe des Materials an den Fertiger bis hin zum Einbau und zur Verdichtung vom Asphalt – in der kompletten Prozesskette sind Gefahrenstellen vorhanden, welche die Qualität des Straßenbelags verschlechtern und dadruch auch dessen Lebensdauer reduzieren. Der Einbau vom entmischten oder erkalteten Asphalt sind prominente Beispiele dafür. Prof. Dr. Ulrich appellierte daher an die Maschinenhersteller, Funktionen und Arbeitshilfen zu entwickeln, die den Prozess insgesamt verbessern und dadurch zur hohen Qualität des Endprodukts beitragen.
Dass Bomag diese Aufgabe ernst nimmt, bestätigt das Unternehmen mit seinen Innovationen rund um den Straßenbau. So sorgt z. B. das intelligente Verdichtungssystem „ASPHALT MANAGER“ für eine optimale Anzahl von Überfahrten beim Verdichten mit einer Walze. Überverdichtung und Sprungbetrieb werden verhindert, die Effizienz und Qualität der Arbeit erhöht. Zu den neuesten Innovationen aus dem Hause Bomag gehört auch das BCM 05 (Bomag Compaction Management), das eine flächendeckende dynamische Verdichtungskontrolle ermöglicht. Visualisiert werden der Fortschritt der Verdichtung, das Erreichen von Zielwerten und das Auftreten von Schwachstellen in der Fläche. Durch den Einsatz des Systems wird der Maschineneinsatz optimiert und das Ausführungsrisiko minimiert.

Neues für den Maschinenpark

Auf dem Bomag-Gelände wurden typische Anwendungsbereiche der Maschinen demonstriert. So fräste die große Kaltfräse BM 2000/75 bis 35 cm den Asphalt ab, der anschließend mit einem Straßenfertiger wieder eben eingebaut und mit Tandem- und Gummiradwalzen verdichtet wurde. Mit 750 PS Leistung und Fräsbreiten von 2.000 mm bzw. 2.200 mm sind Großbaustellen auf Autobahnen und Flughäfen das typische Einsatzgebiet für die BM 2000/75. Durch verschiedene Fräslinienabstände – Powerdrum, Standard- und Feinfräsrotor – lässt sich die Maschine aber auch für viele weitere Anwendungen flexibel einsetzen.

Ganz neu im Erdbauportfolio von Bomag sind die Walzenzüge der 12-Tonnen-Klasse. Die Modelle BW 213, 219 und 226 verfügen über das Verdichtungssystem Variocontrol (BVC), welches automatisch für die optimale Energieübertragung sorgt und Überverdichtung vermeidet. Ein besonderes Highlight der hochsteigfähigen DH-Varianten ist die Ausstattung mit einem Doppelpumpensystem, bei dem zwei Pumpen zwei Motoren versorgen. Dadurch sind die Maschinen im Betrieb robuster in steilen Hängen unterwegs. Die Steigfähigkeit von über 60 % steht vorwärts wie rückwärts zur Verfügung.

Auf dem Weg zum Rekordjahr

Im Rahmen der Pressekonferenz sprach der Geschäftsführer Jörg Unger auch über die Entwicklung des Unternehmens. Im aktuellen Geschäftsjahr wird der Bopparder Straßenbauspezialist seinen Umsatz auf eine neue Rekordmarke von ca. 680 Mio. Euro schrauben. Und das obwohl die Märkte wie Russland, China, Afrika und Lateinamerika im Umsatz deutlich unter dem Vorjahr blieben. Für den nötigen Ausgleich des global agierenden Unternehmens sorgte nicht zuletzt die stabile Marktlage in Deutschland. Hier verzeichnete Bomag eine Umsatzsteigerung von 10 % gegenüber dem Vorjahr. „Unsere deutschen Kunden sind technologieorientiert“, begründet der Bomag-Geschäftsführer die stabile Auftragslage im Inland. „Und wir legen bei unseren Neuentwicklungen großen Wert auf Innovationen, die den Baualltag erleichtern.“